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Viel Bürokratie, viel Not und viel zu wenig Wohnungen

2. November 2015

ED Flüchtlinge bei uns 28.10.2015Aus der Eßlinger Zeitung vom 30. November 2015 von Sabine Försterling.

ESSLINGEN: Diskussionsrunde über die Perspektiven für Flüchtlinge fordert kreative Lösungen

Für Wolf-Dietrich Hammann, Leiter des baden-württembergischen Integrationsministeriums Deutschland, ist klar: „Deutschland ist nun mal ein Einwanderungsland.“ Daher müsse eine Atmosphäre geschaffen werden, in der die Vielfalt der Kulturen als Bereicherung angesehen werde, meinte er bei der Veranstaltung zum Thema „Flüchtlinge bei uns – Perspektiven gemeinsam gestalten“. Wichtig sei eine gelungene Integration der Flüchtlinge. „Doch bis dahin ist es wahrlich noch ein weiter Weg.“

Andrea Lindlohr, Esslinger Landtagsabgeordnete und stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Landtags-Grünen, hatte im Rahmen ihrer Reihe „Esslinger Dialog“ zu der Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft, aus Sozialarbeit und ehrenamtlichem Engagement eingeladen. Das Interesse war enorm und im Bürgersaal des Alten Rathauses gab es nur noch Stehplätze. Lindlohr legte besonders Wert auf den Aspekt der Integration. Hamman, Leiter des baden-württembergischen Integrationsministeriums, berichtete zunächst über die aktuelle Situation. Dieses Jahr seien bereits 120 000 Flüchtlinge ins Land gekommen. Inzwischen habe man aber die Asylverfahren deutlich beschleunigt. Flüchtlinge aus dem Westbalkan würden schneller „in ihre sicheren Heimatländer“ zurückgeschickt.

Die, die hier bleiben, sollen laut dem Ministerialdirektor so schnell wie möglich integriert werden – und das ohne Neiddiskussion. Deutschland könne schlussendlich von der Vielfalt profitieren. Doch bis dahin sei das sicherlich kein Spaziergang.

„Noch haben wir genügend Sozialpädagogen für die Betreuung der Flüchtlinge“, sagte Julie Hoffmann. Die Leiterin des Sozialdienstes der Arbeiterwohlfahrt beklagte jedoch den hohen bürokratischen Aufwand, wenn ein Flüchtling einmal krank ist. Da soll laut Hamman die sogenannte Gesundheitskarte, mit der der Arzt direkt mit dem Land abrechnen kann, Abhilfe schaffen.

Unterbringung und Betreuung sind jedoch nicht alles. 15 Flüchtlinge haben laut Hilde Cost im September im Landkreis eine Ausbildung angefangen. Laut der Geschäftsführerin der IHK Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen gilt es da aber noch viele Hürden zu nehmen.

Sorge um die Angehörigen

So muss der Flüchtling ausreichend Deutschkenntnisse haben. Meistens werde der Ausbildung noch ein Praktikum vorgeschaltet und im ersten Lehrjahr verdiene man zwischen 500 bis 950 Euro im Monat. Das ist vielen Flüchtlingen zu wenig. Aus gutem Grund, berichtete Cost: Vor allem die Syrer wollten ihre Familien – aus Angst um sie – so schnell wie möglich nachkommen lassen. Dazu reiche das Geld dann nicht. Denn für den Nachzug ihrer Angehörigen müssten die Flüchtlinge nachweisen, dass sie ihre Familie auch ernähren können. Einige Ämter würden die Regelungen des Aufenthaltsgesetzes jedoch flexibel auslegen.

Lindlohr forderte ein Bleiberecht für Flüchtlinge in Ausbildung und zwar zwei Jahre über das Ende der Ausbildung hinaus. „Wir brauchen kreative Lösungen für eine optimale Ausbildung“, ergänzte Hamman. Auch 26-Jährige sollten in den Vorbereitungsklassen der Schulen sitzen.

Doch nach der Anerkennung folgt die Ernüchterung, berichtete die Vorsitzende des Freundeskreises Asyl in Ostfildern, Andrea Koch-Widmann. Damit die meisten Flüchtlinge nicht in Obdachlosenunterkünften landen, müsse mehr bezahlbarer Wohnraum her. Das helfe auch anderen Bevölkerungsgruppen wie etwa Alleinerziehenden. „Wir tragen eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung“, sagte Hamman und erhielt viel Applaus, als er meinte: „Diffuse Ängste können durch Begegnungen abgebaut werden.“

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