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Stromtarife sollen flexibler werden

11. Dezember 2012

Eßlinger Zeitung vom 7. Dezember 2012

ESSLINGEN: Experten diskutieren beim „Esslinger Dialog“ über steigende Energiepreise

Steigende Stromkosten haben die Landtagsabgeordnete der Grünen, Andrea Lindlohr, zu der provokanten Frage „Was darf Energie kosten?“ veranlasst. Experten setzten beim sogenannten „Esslinger Dialog“ im Alten Rathaus auf Energieeinsparungen, eine dezentrale Versorgung sowie variable Tarife. Kritik gab es an den Entlastungen für die Großindustrie.

Von Sabine Försterling

Andrea Lindlohr hatte eine fachkundige Runde in den Bürgersaal des Alten Rathauses eingeladen. Ursula Sladek ist Vorstandsvorsitzende des Elektrizitätswerks Schönau, das aus einer Bürgerinitiative entstanden ist und inzwischen bundesweit 135 000 Kunden mit Ökostrom beliefert. Der gelernte Elektroinstallateur und Betriebswirt Rainer Reichhold ist inzwischen Präsident der Handwerkskammer der Region Stuttgart, und Elektroingenieur Helmfried Meinel ist Ministerialdirektor im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg.„Leider müssen auch wir den Strompreis erhöhen“, bedauerte Sladek. Das sei den gestiegenen Umlagen geschuldet. Dabei spiele nicht nur die Umlage zur Förderung der erneuerbaren Energien eine Rolle. Auch die sogenannte Sonderkunden-Umlage habe sich verdoppelt. Dabei handelt es sich um einen Ausgleich, den die Netzbetreiber für entgangene Erlöse wegen der Befreiung der Großindustrie vom Nutzungsentgelt erhalten. „Die Großindustrie muss darüber hinaus auch keine Ökoumlage zahlen“, bemängelte die Expertenrunde.

Wie speichert man den Strom?

Aber: Steigende Energiekosten bergen auch eine Chance in sich. Die Kunden würden nicht nur dazu bewegt, den Anbieter zu wechseln, sondern auch Energie einzusparen. Reichhold forderte daher, die Beratungen auszubauen. Meinel sieht in diesem Zusammenhang auch Chancen für einkommensschwache Haushalte. Es sei aber ein Unding, dass der Kauf eines energieeffizienten Kühlschrankes nicht bezuschusst werde. Der Ministerialdirektor will sich im Bund auch für eine steuerliche Entlastung für energetische Sanierungsmaßnahmen einsetzen.

Das Elektrizitätswerk Schönau steuert übrigens Geld bei, wenn Kunden sich eine effizientere Heizungspumpe anschaffen. Das sei eine Frage der Glaubwürdigkeit, meinte Sladek. Reichhold und Meinel waren sich uneins, ob man in Zukunft wieder, wie von der Energiewirtschaft vorgeschlagen, auf Nachtspeicheröfen setzen solle. Dann müssten diese aber auch in wärmegedämmten Häusern stehen, meinte der Politiker. Wie man den erzeugten Strom speichert, ist nämlich eine der vielen offenen Fragen beim Umstieg auf die erneuerbaren Energien.

Das Elektrizitätswerk Schönau arbeitet derzeit mit dem Fraunhofer-Institut zusammen, um zu erforschen, wie auf dem Dach erzeugte Sonnenenergie nutzbringend in einer Batterie im Keller gespeichert werden kann. Dezentrale Einheiten und kurze Wege sowie der Austausch zwischen Verbraucher und Erzeuger sind für Ursula Sladek der Schlüssel zum Erfolg. Ein Tiefkühlhaus könne man problemlos für eine Stunde abschalten, meinte sie. Wichtig sind laut Reichhold aber auch variable Tarife und eine intelligente Technik, die heute schon erhältlich sei. Der Kunde müsse wissen, wann der Strom billiger sei. Das bestehende Tarif- und Versorgungssystem muss den Experten zufolge grundlegend geändert werden.

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