. . Startseite | Sitemap | Impressum | Anmelden

Mit Öko aus der Wirtschaftskrise

15. September 2009

Esslinger Zeitung 14. September 2009

REICHENBACH/ESSLINGEN: Boris Palmer beim Hoffest der Grünen auf dem Biolandhof Schickinger – Andrea Lindlohr wirbt für Atomausstieg

Für das Hoffest der Grünen in Reichenbach hat es mehrere Gründe gegeben. Der Kreisverband feierte sein 30-jähriges Bestehen, der gastgebende Biolandhof Schickinger weihte seine neue Hofstelle ein – und es ist Wahlkampf, auch für die Esslinger Bundestagskandidatin Andrea Lindlohr. Im Mittelpunkt beim Hoffest stand der angriffslustige und unterhaltsame Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer.

Von Peter Dietrich

„Bio“ war Programm gestern Mittag: Die Zutaten fürs Salatbüffet kamen vom Gastgeber, Fleisch und Würste von einem Biolandhof in Mutlangen. Auch Backwaren, Bier, Wein und Sekt, Kaffee und Apfelsaft stammten aus biologischem Anbau. Ohne Einweggeschirr blieben die Mülleimer fast leer. Ein „Markt der Möglichkeiten“ informierte über Ökostrom und Autoteile, Ziegen- und Imkereiprodukte.„Keine Partei ist so gnadenlos bekämpft worden“, erinnerte Winfried Kretschmann, grünes Urgestein und heute Fraktionsvorsitzender im Landtag. „Wir galten als Technikfeinde und Arbeitsplatzvernichter.“ Wer dies 30 Jahre durchgestanden habe, dem könne man trauen. Das Zeitfenster gegen den Klimawandel sei eng: „Deshalb ist es wichtig, dass wir etwas zu sagen haben.“ Nur mit Öko gehe es aus der Wirtschaftskrise: „Mit Umweltschutz zerstören wir keine Arbeitsplätze, sondern schaffen neue, und zwar gute und gescheite.“

25 Jahre ist es her, dass „Remstalrebell“ Helmut Palmer in Reichenbach Bürgermeister werden wollte. Sein Sohn Boris durfte zuvor, als Sechsjähriger, dem wegen Beamtenbeleidigung inhaftierten Vater nur durch Panzerglas begegnen. Es herrschte kalter Krieg, die Autoindustrie kämpfte gegen den Katalysator. Heute sagt Boris Palmer, es sei bitter nötig gewesen, dass damals Menschen aufgestanden sind, um die Republik zu ändern. Auch der Tübinger OB eckt immer wieder an. Etwa mit dem Dienstwagen. Im Oktober, kündigte Palmer an, werde er den Smart zurückgeben. Beim Tanken habe er gemerkt, dass der sechs Liter verbrauche, sein neues Elektrofahrrad brauche umgerechnet 0,1 Liter pro 100 Kilometer. Damit sei er in der Stadt schneller als der Unirektor mit Mercedes und Fahrer. Geld, forderte Palmer, gehöre nicht in alte Strukturen, sondern in Zukunft und Bildung investiert: „Da passiert ohne die Grünen viel zu wenig.“ Den Zuhörern empfahl er den Einbau einer drehzahlgesteuerten Heizungspumpe. Moderator Matthias Weigert ergänzte: „Machen Sie nicht nur ihre beiden Kreuze, handeln Sie als Verbraucher entsprechend.“

„Wir haben kein Endlager, die Atomenergie ist nicht sicher“, warb Lindlohr für den schnellen Atomausstieg. Ebenso wichtig ist ihr der entschiedene Einsatz gegen Gentechnik auf dem Teller. Sie stehe für eine grüne Wirtschaftspolitik und wolle „kleine, leichte, effiziente Fahrzeuge“. Über Kulturförderung sprach keiner, doch die war mit der Band „Zydeco Playboys“ und dem Zauberer Jorgos Katsaros ins Fest eingebaut. Für die Kinder gab’s Ponyreiten.

Bisher keine Kommentare zu "Mit Öko aus der Wirtschaftskrise"
Leave a comment