. . Startseite | Sitemap | Impressum | Anmelden

Energiesparen dient Umwelt und Kasse

10. August 2015
Firmenchef Bruno Kümmerle, Umweltminister Franz Untersteller MdL, Daniel Fuchs von BKW-Küma, Andrea Lindlohr MdL und Wolfschlugens Bürgermeister Matthias Ruckh (von rechts).

Firmenchef Bruno Kümmerle, Umweltminister Franz Untersteller MdL, Daniel Fuchs von BKW-Küma, Andrea Lindlohr MdL und Wolfschlugens Bürgermeister Matthias Ruckh (von rechts).

Aus der Nürtinger Zeitung vom 6. August 2015, von Jürgen Gerrmann.

Minister Franz Untersteller und Landtagsabgeordnete Andrea Lindlohr besuchten BKW und Küma in Wolfschlugen

Ökologie und Ökonomie können eben doch gemeinsame Ziele haben – ein Beweis dafür wurde gestern bei einem Gespräch von prominenten grünen Politikern mit Bruno Kümmerle, dem Chef der Firmen BKW und Küma in Wolfschlugen, deutlich. Auch der ist überzeugt: „Die Leute glauben immer noch, dass sie in 20 Jahren noch mit Öl heizen. Da täuschen sie sich gewaltig.“

WOLFSCHLUGEN. Ursprung des Gesprächs war ein Gang der für Wolfschlugen zuständigen grünen Landtagsabgeordneten Andrea Lindlohr (die auch wirtschaftspolitische Sprecherin ihrer Fraktion ist) über die Maschinenbau-Messe AMB in Stuttgart.

Da stach ihr der BKW-Stand ins Auge. Er war für sie ein Musterbeispiel dafür, dass „auch der Maschinenbau energie- und ressourcenschonend arbeiten kann“. Genau das sei ihr ein großes Anliegen: „Was hier bei uns im Ländle gebaut wird, kann auch draußen in der ganzen Welt seine Wirkung entfalten.“

Deswegen hat sich auch der in Nürtingen wohnende Umweltminister Franz Untersteller dasselbe auf die Fahnen geschrieben. Er begleitete Andrea Lindlohr bei ihrer Stippvisite nach Wolfschlugen und wies dabei mehrmals auf ein Förderprogramm der L-Bank hin, mit dem kleine und mittlere Unternehmen bei der Anschaffung ressourcenschonender und energieeffizienter Technologien unterstützt würden.

„Die Maschinenbauer wollen immer nur billig zukaufen. Das ist zu kurzsichtig gedacht“ Bruno Kümmerle, Chef BKW und Küma

Hört man Bruno Kümmerle zu, dann hat man den Eindruck, als sähe er sich als schwäbische Inkarnation des ur-amerikanischen Traums: „Vom Tellerwäscher zum Millionär“. Aus der „Heller-Dynastie“ verabschiedete sich der Ingenieur dereinst, „weil ich mal was anderes machen wollte“. 13 Jahre lang fungierte er dann als Technischer Leiter bei der Firma Bock.

1970 machte er sich dann selbständig. Von nun an ging’s (anders als in Hildegard Knefs berühmtem Chanson) nicht bergab, sondern bergauf. Aus einem Mitarbeiter wurden 100, und der Ingenieur in Kümmerle, den es neben dem Manager gab und immer noch gibt, sorgte dafür, dass man selbst gegen Mega-Konkurrenten wie Linde bestehen konnte und kann.

Zu jeder Erfolgs-Story gehört eine zündende Idee. Die entstand bei Kümmerle in dem Moment, in dem ihm bewusst wurde, dass die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts revolutionäre CNC-Technik eben auch ihre Tücken hatte und jede Menge Ausschuss produziert. Ursache der Ungenauigkeit in einer Sparte, bei der es auf Bruchteile von Millimetern ankommt: Temperaturschwankungen. „Und zwar von außen und von innen“, erklärt der BKW-Chef.

In Italien habe er zum Beispiel mal einen Kunden besucht, bei dem es im Winter in die Produktionshalle hineingeschneit und dann im Sommer eine Knallhitze von über 40 Grad geherrscht habe. Da habe er sich gesagt: „Es muss doch was geben, mit dem eine Maschine zu allen Zeiten unter allen Bedingungen auf den Punkt genau arbeiten kann.“

Damit hatte er wohl als einer der ersten eine Lücke entdeckt, in die hineinzustoßen es lohnte. Binnen vierer Jahrzehnte wurden bei ihm rund 150 000 Kühlanlagen gebaut. Und dabei muss auch so manche Mark respektive Euro verdient worden sein. Dass Bruno Kümmerle jemals Teller gewaschen hätte, ist zwar nicht bekannt (zumindest außerhalb der eigenen Küche), aber das mit dem Millionär hat wohl hingehauen.

Nun könnte man sich den Hardter (dort wohnt er nämlich) zwar nicht unbedingt auf einem grünen Wahlplakat vorstellen – aber deckungsgleiche Interessen existieren offenkundig. Er selbst tut zum Beispiel mit zwei Blockheizkraftwerken, einer Wärmepumpe und einer Solaranlage nicht nur etwas für die Umwelt, sondern auch fürs Firmenbudget.

Auch mit seinen Produkten lasse sich Energie und Geld sparen, ist Kümmerle überzeugt. Und deswegen kritisiert er auch die deutsche Wirtschaft: „Die Maschinenbauer zum Beispiel wollen immer nur billig zukaufen. Von denen höre ich dann immer, sie müssten ja nicht den Strom zahlen, der in herkömmlichen Verfahren verpulvert werde. Das sei Sache der Kunden.“

Das freilich sei viel zu kurzsichtig gedacht. Die Leute seien nach wie vor der Meinung, sie könnten in 20 Jahren immer noch mit Öl heizen. Für Kümmerle ein Irrsinn. Nicht mal der Stellvertreter Gottes kann ihm da helfen, obwohl der just das zum Thema seiner zweiten Enzyklika gemacht habe: „Dem Papst glaubt man heute sowieso nichts.“

Daher die große Frage des Managers an die Politik: „Also – wie kriegen wir das in den Griff?“ Der Minister setzt auf eine Politik der kleinen Schritte

Eine Patentlösung hatten freilich auch die nicht parat. Untersteller setzt wohl eher auf eine Politik der kleinen Schritte. Einer davon sei der mittlerweile sehr begehrte Umwelttechnikpreis seines Hauses, der für Unternehmen sehr werbewirksam sei. Zudem gewähre das Ministerium auch Förderungen, wenn sich kleine und mittlere Firmen überlegten, ein ressourcenschonendes Produkt nur deswegen nicht zu kaufen, weil es teurer sei als das, das die Umwelt mehr belaste.

Und dann halte die L-Bank ein großes Programm zur Zinsverbilligung für die energieeffiziente Modernisierung von Anlagen bereit. Damit seien schon rund 2300 Projekte mit insgesamt 1,45 Milliarden an Krediten vorangebracht worden. Das habe zu Investitionen von über zwei Milliarden geführt: „Das macht die kleinen und mittelständischen Unternehmen wettbewerbsfähiger und dient zugleich der CO2-Verringerung.“ Mehr als 85 000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr würden dadurch nicht mehr in die Luft geblasen.

Auch in der Forschung engagiert sich BKW. Ein zentrales Projekt dabei ist „Minerwe“. Die Abkürzung steht dabei für „mineralölfreie energieeffiziente Werkzeugmaschinen“. Da sitzen übrigens auch Bosch und Heller mit im Tüftler-Boot: „Wir machen Versuche, erste Erkenntnisse sind schon da“, erzählt Kümmerle.

Dass der ein Kämpfer ist, hat er schon mehrfach bewiesen. Und bei einem seiner zentralen Ziele steht er mit den Grünen Seit an Seit: „Das Monopol des Öls muss gebrochen werden.“

Das wäre aus Sicht von Untersteller übrigens auch im Interesse der Wirtschaft: „Die niedrigen Energiepreise werden ganz gewiss nicht so bleiben.“

Bisher keine Kommentare zu "Energiesparen dient Umwelt und Kasse"
Leave a comment