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Christian wer?

1. Juli 2010 | Beitrag kommentieren »

Am Tag nach der 14. Bundesversammlung ist es als Grüne leicht, auf die Probleme anderer Parteien und Personen zu zeigen. Ja, das war ein Denkzettel für Kanzlerin Merkel. Ja, es war bereichernd, Joachim Gauck neu kennenzulernen, auch für mich als jüngere Wessi. Ja, die LINKE ist mehrheitlich vergangenheitsorientiert und nicht bereit, Verantwortung zu übernehmen – siehe auch den Vergleich des Bundestagsabgeordneten Diether Dehm von Wulff und Gauck mit Diktatoren des 20. Jahrhunderts.

Aber was ist mit dem neu gewählten, 10. Bundespräsidenten Christian Wulff? Interessante Themen und Thesen waren von ihm im kurzen Schaulaufen um das Amt nicht zu vernehmen.  Er ist seit Jahrzehnten Berufspolitiker, war sieben Jahre Ministerpräsident von Niedersachsen. Warum verbinde ich mit ihm nichts – und ich sauge politische Nachrichten auf wie ein Schwamm-? Im Gedächtnis sind mir: Der gescheiterte Versuch, in Niedersachsen das Landesblindengeld abzuschaffen, und seine Fortführung der von der SPD eingeleiteteten Verwaltungsreform hin zu mehr Landesoberbehörden. Ach ja, und Wulff als VW-Lobbyist von Amtswegen, wie alle niedersächsischen Ministerpräsidenten vor ihm.

Wie zum Beweis hat Wulff sich gestern mit einer langweiligen Rede den hochinteressierten Bürgerinnen und Bürgern vorgestellt – hier ist sie dokumentiert. Seine erste Chance hat er gleich vertan. Er adressierte die vor ihm sitzenden ParteienvertreterInnen statt die Bevölkerung, deren Staatsoberhaupt er nun ist. Er meinte betonen zu müssen, dass er im dritten Wahlgang mit der absoluten Mehrheit (und nicht nur der relativen) gewonnen hat. Die Beschreibung seiner Gefühle, „wenn man nach Deutschland aus Auslandsreisen zurückkehrt“ –  es ist ja nicht überraschend, dass es woanders anders ist als zu Hause. Ein kurzer Schlenker zur Deutschen Einheit – ok. Alles in allem war es die Rede eines soeben wiedergewählten, unauffälligen Ministerpräsidenten. Da kann ich nur hoffen, dass von meinem neuen Staatsoberhaupt in den nächsten Jahren noch mehr kommt.