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Für die Vereinbarkeit von Kindern und Karriere: Die Arbeitswelt verändern

7. Oktober 2008

Rund 45% aller Erwerbstätigen in Deutschland sind Frauen. Sechs von zehn Müttern und neun von zehn Vätern mit Kindern unter 15 Jahren arbeiten. Familie und Beruf gehen also irgendwie zusammen. Viele typische Frauen-Berufe setzen auf die Zuverdienerin wie die Verkäuferin in Teilzeit oder die Arzthelferin. Sie tragen zum Haushaltseinkommen bei, haben aber wenig Chancen, sich beruflich weiter zu entwickeln. 22% pro Stunde weniger als Männer verdienen Frauen in Deutschland, das ist beinahe EU-weiter Negativrekord.
Schwierig ist für Frauen die Vereinbarkeit von Familie und einem selbstbestimmten Berufsleben – die Vereinbarkeit von Kindern und Karriere. Umgekehrt stoßen Männer, die sich mehr um Kinder kümmern wollen, auf Unverständnis in ihrem beruflichen Umfeld.
An zwei Stellschrauben müssen wir drehen: Wir brauchen eine bessere öffentliche Kinderbetreuung und Kinderbildung und wir müssen die Arbeitswelt verändern. Das Elterngeld ist im Grundsatz richtig, denn es verändert die Arbeitswelt. Das Elterngeld verändert die Erwartungen, denn Personalchefs, Vorgesetzte und auch KollegInnen rechnen mehr als zuvor damit, dass auch Männer wegen Kindern einmal zeitweise beruflich ausfallen oder in Teilzeit arbeiten. Auch wenn viele Männer bisher nur die zwei ‚Vätermonate‘ nehmen: Es verbessert die relative Position von Frauen zu Männern im Beruf ungemein, wenn nicht mehr alle Überlegungen von Arbeitgebern, wer ihm wegen Kindern einmal ganz oder teilweise nicht zur Verfügung stehen wird, sich auf die Frauen richtet.
Zwar könnte man gegen das Elterngeld einwenden, dass einem jedes Kind gleich viel wert sein muss. Das ist insofern nicht der Fall ist, als dass es sich das Elterngeld nach dem vorherigen Einkommen berechnet. Aber ich halte es für berechtigt, dass es für einen zeitweisen Berufsausstieg wegen Kindern eine zeitweise Lohnersatzleistung gibt, wie es das Krankengeld oder das Arbeitslosengeld I auch ist.

Das Elterngeld sollten wir besser machen. Es muss auch die Vereinbarkeit von Kindern und Ausbildung verbessern – das ausgerechnet StudentInnen mit Kindern mit dem Elterngeld weniger unterstützt werden als vorher, ist ein grober Fehler. Und es muss noch geschlechtergleicher werden: Zwei ‚Vätermonate‘ reichen nichts aus.Und in der Arbeitswelt gibt es darüber hinaus viel zu verändern: Führungskräfte in Teilzeit kann sich hierzulande weiterhin kaum jemand vorstellen. Dass Eltern in ihren Karrierechancen diskriminiert werden, wenn die wichtige Besprechung auf 17h festgelegt wird, ist auch keine sehr verbreitete Erkenntnis. Die öffentlichen Arbeitgeber von der Hochschule bis zur Stadtverwaltung müssen da voranschreiten.

Der Schlüssel für mehr materielle Gleichheit von Frauen und Männern und damit auch für mehr Selbstbestimmung von Frauen liegt darin, die Erwerbsbiographien gleicher zu machen: mehr Familie für die einen und mehr berufliche Freiheit für die anderen. Das führt zu mehr Gleichheit bei Einkommen, Vermögen und sozialer Sicherung zwischen Frauen und Männer.

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