28. August 2008 | 3 Kommentare »
Wie lebt es sich ohne Auto? Zu dieser Frage hat jüngst eine Zeitung unserer Region Testfamilien auf eine exotische Erlebnistour geschickt. Dabei haben schon viele Menschen lange Erfahrung mit dieser Lebensform – zum Beispiel ich.
Ich habe kein Auto und keinen Führerschein. Mit 18 in meinem kleinen Heimatdorf (mit Bahnhof) brachte mein jugendlicher Öko-Verantwortungs-Enthusiasmus mir eine recht große Einschränkung meiner Mobilität ein. Heute bin ich mit dem immer noch verbesserungsfähigen, aber guten öffentlichen Verkehr in unserer Region und woanders sehr mobil. Das ist ein Erfolg grüner Politik auf allen Ebenen. Ich wohne bescheiden, aber dafür nahe an meinem Arbeitsplatz, zu dem ich morgens nur gut zehn Minuten mit dem Fahrrad unterwegs bin. Da ich kein Car-Sharing nutzen kann, muss ich für manche Situationen ein Taxi in mein Budget einplanen. Mein Mobilitäts-Tagebuch zeigt, wie zumeist erstaunlich bequem und manchmal doch aufwändig klimaschonende Mobilität ohne Auto ist.
6. März 2010 | 2 Kommentare »
Inzwischen bin ich umgezogen und wohne nun in Esslingen ganz zentral und mitten im Leben gleich neben dem DICK. Das ist wunderbar und auch politisch-ehrenamtlich praktisch dank des kurzen Weges zur Volkshochschule Esslingen habe, deren Fördervereinsvorsitzende ich bin.
Umziehen ohne Auto und Führerschein ist ernsthaft schwierig. Ohne hilfsbereite Menschen mit Führerschein und eigenem oder gemietetem Fahrzeug geht es nicht. Zum Glück fanden sich davon genug für die kleinen und großen Transporte (Danke!).
Vieles habe ich auch ohne Auto erledigen können: Als per Bus in das Gewerbegebiet Esslingens reisende Kundin des örtlichen Möbelhauses. Als treue, Kleinmöbel zu Fuß tranportierende Kundin von Innenstadtgeschäften. Und mit einer Baumarkt-Tour durchs Neckartal: Mit der S-Bahn neckarabwärts nach Untertürkheim. Zu Fuß in den großen Baumarkt. Bauteile für meine Garderobe gesucht, Badzubehör und Pflanzen eingepackt. Mit dem einen Bus nach Obertürkheim und dort ohne Wartezeit in den berühmten O-Bus. An der Stadtgrenze in den Großmarkt, neue Putzgerätschaften besorgt, und schwupps vollbepackt mit dem nächsten 101 in die Esslinger Weststadt und heim. Geht! Aber das nächste Mal erkundige ich den inhabergeführten Baumarkt am Rande in Oberesslingen – Kette muss ja nicht immer sein.
15. September 2009 | Beitrag kommentieren »
SEV – Schienenersatzverkehr ist ein klassisches Bahn-Schreckenswort. Zum einen für Bahn-Kenner, denn sie wissen, was sie erwartet: Busfahren. Zum anderen für die Nicht-Kenner, die rätseln, was sich dahinter wohl verbergen mag.
Ich bin unterwegs nach Aalen, um auf Einladung der rührigen Grünen Jugend Ostalb zum Bundestagswahlkampf beizutragen: Als grüne Wirtschaftsexpertin spreche ich zu ‘Green New Deal – Grüne Jobs für die Region’. Meinen visuell gestützten Vortrag, mit dem ich im Wahlkreis in Wendlingen, Ostfildern und Neuhausen unterwegs war, habe ich für den Ostalbkreis angepasst. Die Atmosphäre ist gut, die Diskussion munter, der Bericht der Schwäbischen Post prima, und jedem Aalen-Besucher sei das Café Samocca wirklich wärmstens empfohlen.
Die Remsbahn wird ein halbes Jahr lang saniert, ganze Teilstrecken sind gesperrt. Ein hartes Los für die Berufspendler. Für mich eine Hürde, aber eine überwindbare: Eine halbe Stunde Regionalexpress nach Schorndorf, eine halbe Stunde in den dort sauber aufgereihten Bussen non Stop nach Schwäbisch Gmünd und eine halbe Stunde mit dem Zug nach Aalen. Es funktioniert reibungslos, ist aber anstrengend. Und im vollgestopften Bus kann ich weder telefonieren noch am Rechner arbeiten noch lesen – verlorene Zeit.
Die letzte Verbindung mit Expressbus kann ich nicht erreichen. Dass ich nicht im Dunkeln Regionalbus fahren muss, verdanke ich dem grünen Bundestagskandidaten Brian Krause, der mich im Auto mit zurück nach Stuttgart nimmt. Und wer je noch einmal vorschlägt, Schienenverbindungen durch ‘günstige Busverbindungen’ zu ersetzen, möge den physischen und psychologischen Komfort-Unterschied bitte selber testen!
4. September 2009 | Beitrag kommentieren »
Es ist Wahlkampf, und die Kandidatin soll, wie alle in der Politik, vor allem eines sein: positiv. Positive Botschaften für die Bürgerinnen und Bürger! Gut drauf sein! Lächeln! Eigentlich kein Problem. Außer wenn ich ab und an genervt bin, bin ich glaube ich ein freundliches Wesen und gehe offen auf Menschen zu.
Hier darf ich mal ganz unpositiv jammern: Den Dienstag beschließe ich nach unserem Esslinger Nachmittag mit Cem Özdemir mit einem Nachbarschaftsbesuch in Stuttgart: In den Wagenhallen beim Abend mit Cem, Renate Künast und Murat Topal.
Prima Sache das. Leider bleibe ich auf dem Rückweg mit dem Fahrrad an den Wagenhallen zunächst im Schlamm stecken. Dann kapituliere ich vor der abschreckenden Unwirtlichkeit der ‘Wir warten auf Stuttgart 21′-Brache und weiche auf die Heilbronner Straße aus. Dort will der fahrradvernachlässigende schwäbische Verkehrsplaner mich aber nicht haben. In der völlig ungeeigneten, glatt gefliesten und spiralförmig steilen Fußgängerunterführung, in die ich baulich und laut Beschilderung gezwungen werde, legt es mich im Fußgänger-Gegenverkehr hin.
Nicht schlimm. Aber ärgerlich. Warum gibt’s keinen Fahrradweg? Mit grünblauen Knien gibt es wohl auf die letzten Sommertage kein Röckchentragen mehr für mich. Und meinen einzigen freien Abend die Woche werde ich wohl mit Fahrrad-Entschlammung zubringen – was würden Sie sonst von mir halten
.
28. August 2009 | Beitrag kommentieren »
Meine Auf-Termin-Eilende-Rad-Zug-Kombi optimiert sich immer mehr. Nicht nur S-Bahnen eignen sich gut zur Fahrradmitnahme, sondern auch alle neueren Regional- züge. Wenn ich doch mal alte Waggons vorfinde, muss ich lupfen, schwäbisch gesagt. Außerhalb des Hauptberufsverkehrs und jetzt im Sommerloch rund um die Uhr ist immer genügend Platz, so dass ich niemanden störe.
Also eile ich gestern radelnd aus dem Büro, nicht ohne auf dem Weg zum Stuttgarter Hauptbahnhof minutenlang an fußgänger- und fahrradunfreundlich geschalteten Ampeln warten zu müssen. Und dann geht es flugs nach Wendlingen zur Eröffnung des Vinzenzifestes. Das haben Flüchtlinge aus dem Egerland nach dem Zweiten Weltkrieg nach Wendlingen mitgebracht. Stadt und Festkomitee haben sich dieses Jahr ein modernisiertes Programm an neuen Orten einfallen lassen. Blasmusik auf gutem Niveau, eine witzige walisische Tanzgruppe und viele Wendlingerinnen und Wendlinger – kein schlechter Vormittag! Mit dem Rad statt zu Fuß in Wendlingen unterwegs zu sein spart mir dabei etwa eine Viertelstunde und ist einfach angenehm. Und am Sonntag komme ich wieder!
23. August 2009 | Beitrag kommentieren »
Ein paar Tage Ostsee Anfang August war meine Urlaubsration diesen Sommer – in die Lübecker Bucht nach Timmendorfer Strand. Weiter im Osten ist es auch sehr schön, aber im Wahlkampfjahr ist mir das zu weit (eigentlich möchte ich ja gerne Mal mit dem Zug zur Danziger Bucht) .
Leicht anstrengend ist der Kurztrip doch (vgl. das Nordsee- und Rheinland-Hopping 2008): Freitags in aller Frühe auf den mit uralten Waggons bestückten Regional- express über Hohenlohe nach Würzburg. Nach gut zwei Stunden bin ich pünktlich um zehn bei der Trauung von lieben Freunden im schönen Würzburger Rathaus. Zur Feier ins nahe gelegene Reichenberg bringt uns ein gar nicht so teures Taxi.
Am Samstag nachmittag sind wir nach nur dreieinhalb Stunden angenehmer ICE- Fahrt im vom CSD gut gefüllten Hamburg: Freunde treffen, die schöne Stadt genießen. Und am nächsten Mittag nach 50 Minuten plus 30 wegen Weichen- problemen in Timmendorf – jetzt erstmal Fischbrötchen essen und sich am Anblick des Meeres erfreuen! Ok, Wellen gibt’s gerade keine, aber dafür ist die Ostsee so warm und ruhig, dass wir auch bei Nieselregen hineinhüpfen können.
Der Rückweg ab Dienstag nachmittag könnte recht bequem sein, aber ich nehme lieber meinen üblichen Umweg, Regionalbähnchen inklusive, über mein Heimatdorf Erpel. Wie ich in einem Urlaub mit Auto mein Im-Zug-am-Notebook-sitzen-Wahlkampforganisations-Arbeitspensum erledigt hätte, weiß ich nicht.
26. Juli 2009 | Beitrag kommentieren »
Wie viele Infostände schaffe ich an einem Samstag? Zugegeben treibt diese Fragestellung nur ganz wenige, politlastige Menschen auf der Welt um. Vor der Kommunal- und Europawahl möchte ich im Wahlkreis präsent sein, meine Basispflichten in Esslingen erfüllen und ausprobieren, was im Bundestagswahlkampf ohne Auto möglich sein wird.
Ergebnis: Es geht erstaunlich viel. An einem Samstag Ende Mai beginne ich den Tag in Neuhausen nach netter Fahrt mit der Zacke plus Busfahrt ab Degerloch über die Filder. Ich bin weitgehend der einzige Fahrgast und komme im Morgenlicht in Urlaubsstimmung. Nach anderthalb Stunden ziehe ich per Bus weiter zum Einsatz in die Esslinger Fußgängerzone und denke unterwegs, dass ich bei optimalem Timing auch noch in Ostfildern-Nellingen hätte präsent sein können – oder ist das wahlkämpferische Überambitioniertheit?
Das Programm eine Woche später: Wendlingen um 8h, Köngen um 10h, Esslingen um 12.30h – geht! Dass ich eine Strecke von Wendlingen nach Köngen im Regenschauer doch nicht per Bus, sondern im Auto einer fürsorglichen Grünen mit ihrer wärmenden Strickjacke zurücklege, tut dem keinen Abbruch. Bin ja flexibel!
6. Mai 2009 | Beitrag kommentieren »
Falls Sie immer nur alleine im Auto zur Arbeit fahren: Es entgeht Ihnen viel. Im Winter vielleicht ein paar Viren (aber im Büro werden Sie ohnehin vollgeniest), aber es entgehen Ihnen auch interessante und nette Menschen.
Heute in der S1: Mit dem Rad unter dem Arm hechte ich in das, was das Fahrradabteil sein soll. Mein Hinterrad blockiert: Die Gepäckbefestigung hat sich mit Haken und Gummibändern in Speichen und Nabe verhakt und verwickelt. Ich ziehe und werkle – es klappt nicht. Ein junger Mann, von der Arbeit kommend und mit dem berühmten Migrationshintergrund, kommt zur Hilfe. In einem Kraftakt, bei dem er sich die Hände völlig mit Öl beschmiert, befreit er mein Rad. Szenenapplaus im Abteil. Danke!
2. Mai 2009 | Beitrag kommentieren »
Nach einem familiär in München verbrachten Feiertag breche ich heute morgen auf, um ab 12h meinen Dienst am Infostand zur Kommunalwahl und Europawahl in der Esslinger Fußgängerzone zu versehen. Von Süden Esslingen anzufahren, und das am Samstag, ist nicht wenig aufwändig. Die Acht-Uhr-Züge sind mir zu früh. 9.23h in den Ersatz-IC (viele ICEs werden gewartet), in Ulm in den IRE, um 11.39h in Plochingen der abfahrenden S1 nachwinken und auf die nächste 29 Minuten warten? Oder in Plochingen ins Taxi steigen? Ich entscheide mich für den EC 9.40h, um ab Ulm über eine Stunde in der Regionalbahn zu sitzen. Beimerstetten, Westerstetten, Urspring – ganz nett eigentlich, und die RB Stuttgart-Ulm ist inzwischen meist ein recht schickes Zügchen. 12.21h bin ich da, die erste Infostand-Schicht hat gewartet.
Esslingen ist fast eine Großstadt und hat keinen eigenen Anschluss an den Schienen-Fernverkehr. Den kann auch ich nicht versprechen. Falls Stuttgart 21 kommt, hat es sich ganz erledigt. Aber ein stündlicher Anschluss der IC und EC am guten alten Bahnknotenpunkt Plochingen, jetzt und für die nächsten Jahre, wäre machbar. Der Landkreis ist dicht besiedelt, die Bahninfrastruktur ist da, es muss nicht alles über Stuttgart abgewickelt werden. Die ganz große Pro-Stuttgart 21-Koalition hat solche naheliegenden Verhandlungsziele gegenüber der Bahn wohl aus dem Auge verloren. Für den Kreis Esslingen mit seinen über 500.000 Einwohnern wäre der stündliche Anschluss in Plochingen ein habhafter Fortschritt.
16. April 2009 | Beitrag kommentieren »
Die Jungbürgerfeier für die 18jährigen der Gemeinde Köngen am 20. März war ein schöner Abend. Im wunderbar renovierten Schloss begegneten sich Bürgermeister Hans Weil, alle Gemeinderatsfraktionen, Vereine, das impulsgebende Jugendhaus und nicht zuletzt die Jungbürger/-innen. Nicht gerade der ganze Jahrgang, wie das Amtsblatt (26. März) bemerkte. Falls das nicht davon abhält, diese gute Idee fortzuführen, sollte das kein Problem sein: So frei, zu kommen oder eben nicht, sollen Jungbürger sein.
Nur mäßig frei können sich nicht-motorisierte Jugendliche, Bürger und Besucher Köngens angesichts des ÖPNV-Angebots fühlen: Ab 20h nur stündlich mit dem Linientaxi zum Bahnhof Wendlingen – bei einer Stadt mit fast 10.000 Einwohnern mitten im Ballungsraum! Vom nicht durchgezogenen Bustakt tagsüber und der miserablen Anbindung am Wochenende ganz zu schweigen. Das Linientaxi funktioniert soweit, schließlich bin ich damit plus Regionalexpress Richtung Stuttgart und S-Bahn gut nach Hause gekommen. Richtung Nürtingen – wichtig für junge Köngener – ist das Linientaxi aber nicht vertaktet.
Ein einladender Öffentlicher Verkehr sieht anders aus, fährt regelmäßiger und hat weniger Informationsaufwand. Wie das geht? Mehr dazu demnächst im grünen Programm zur Regionalwahl 2009!