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Zukunftsthema: Freistellung der Kita-Leitung

5. November 2012
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Die TeilnehmerInnen der KiTa-Trägerkonferenz (Foto: M. Pfann)

Die Mitglieder im Verband katholischer Kindertagesstätten haben sich zur regionalen Trägerkonferenz in Nürtingen getroffen. Erstmals hatte der Verband dazu die Abgeordneten der Regierungsparteien im Betreuungsbereich eingeladen.

Teckbote vom 27. Oktober 2012

Von Manuela Pfann

Nürtingen. Ziel der Veranstaltung war es, den Verband vorzustellen und die Anliegen der Kindergartenträger zu diskutieren. Gekommen waren von den Grünen Andrea Lindlohr aus Esslingen, Jörg Matthias Fritz aus Göppingen und Andreas Schwarz aus Kirchheim. Für die SPD war Peter Hofelich aus Göppingen auf dem Podium.

Die Geschäftsführerin des Landesverbands Katholischer Kindertagesstätten (LVKiTa), Dr. Ursula Wollasch, machte deutlich, dass man mit der grundsätzlichen Ausrichtung der Regierung zufrieden sei: „Wir waren überrascht und erfreut über so viel Raum für das Thema Kindertagesstätten im Koalitionsvertrag.“ Dass die Kita als Ort mit eigenem Bildungsauftrag und nicht mehr nur als Vorstufe der Schule gesehen werde, sei wichtig. Gleichzeitig informierte Wollasch über das aktuell drängendste Problem in allen Kindertageseinrichtungen: „In anderen Einrichtungen wie Krankenhäusern oder Altenheimen ist es üblich, dass es eine Einrichtungsleitung gibt. Nicht so in einer Kita. Die Erzieherinnen machen diese Aufgabe nebenher, in der Regel in der Freizeit.“ Dies sei ein Zustand, der dringend geändert werden müsse. Hier wünsche man sich eine gesetzlich festgeschriebene Freistellung für Leitungsaufgaben, finanziert durch das Land.

SPD-Mann Peter Hofelich, selbst Vater von zwei Kindern, nickte zustimmend, verwies aber auf die Finanzlage des Landes: „Wir müssen einfach mit einem großen Schuldenberg umgehen“, sagte er. Der Göppinger Abgeordnete Jörg Matthias Fritz – ehemaliges Mitglied des Nürtinger Gemeinderats und des Esslinger Kreistags – versprach, das Thema im Bildungsausschuss weiter zu verfolgen. Kultusstaatssekretär Dr. Frank Mentrup habe allerdings im Vorfeld dieser Konferenz signalisiert, selbst für den Doppelhaushalt 2014/2015 keine großen Hoffnungen auf Mittel für eine Freistellung machen zu können.

Wie wichtig das Thema Leitung ist, zeigte sich auch bei der weiteren Diskussion um den fehlenden Erzieher- und Erzieherinnen-Nachwuchs. Andrea Lindlohr, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, freute sich über das große Interesse am vor kurzem gestarteten Modellversuch in Baden-Württemberg, der praxisintegrierten Erzieherausbildung (PIA), die von Beginn an vergütet ist und die Zielgruppe der Umsteiger oder Quereinsteiger in den Blick  nimmt: „Die Zahlen haben unsere Erwartungen bei Weitem übertroffen“, so Lindlohr.

Die kritische Rückmeldung von der Basis indes ließ nicht lange auf sich warten: Aus den Reihen der kirchlichen Träger wurde bemängelt, dass die Träger mit der Stellenbesetzung alleine gelassen seien, dass es keine klaren Ausbildungsrichtlinien gäbe und keine Eignungskriterien für diejenigen, die anleiten sollen. Nicht zuletzt fehle auch hier die Zeit, um einen Auszubildenden fachgerecht zu betreuen. „Auch das soll nun einfach noch so nebenher laufen“, so Kindergartenleiterin Gerlinde Faßnacht aus Neuhausen. Die Erzieherin machte in diesem Zusammenhang auch auf einen weiteren Punkt aufmerksam: „Wir dürfen nicht nur um jeden Preis ausbilden, wir müssen auf die Qualität achten. Denn in meiner 18-jährigen Tätigkeit habe ich noch nie so viele Bewerberinnen im Probehalbjahr wieder entlassen wie im vergangenen Jahr.“

Wie auch seine Landtagskollegen stimmte der Kirchheimer Abgeordnete Andreas Schwarz den inhaltlichen Beiträgen und Kritikpunkten der Trägerkonferenz zu. „Wir wissen worum es geht, das Thema Kinderbetreuung ist längst ein gesamtgesellschaftliches geworden“, so Schwarz, der seit 13 Jahren Stadtrat in Kirchheim ist. „In Kirchheim nehmen wir bewusst und erfolgreich öffentliche Gelder in die Hand, um Standards zu erfüllen, die über den Orientierungsplan hinausreichen.“

Dass solch ein Agieren allerdings von der jeweiligen Finanzlage einer Kommune abhängt, das bemerkte Peter Hofelich. Die Nachricht, die Jörg Matthias Fritz vergangene Woche erhalten hatte und der Runde mitteilte, unterstrich indes die Schwierigkeiten der Umsetzung noch so wohlwollender Kindergartenpolitik: „Der Bund hat angekündigt, dass er die Mittel zur Investitionsförderung bei der U3-Betreuung nächstes Jahr nicht ausbezahlen wird“.

Das Fazit des Abends zog Armin Elbl, nicht nur Moderator der Runde, sondern auch Bürgermeister von Wernau, einer Stadt mit acht Kindertageseinrichtungen, fünf davon in katholischer Trägerschaft: „Ich habe den Eindruck, wir unterscheiden uns nicht im Ziel“, so Elbl, der als ehemaliger Stadtkämmerer und Kirchengemeinderat die Probleme sehr genau kennt. „Ich sehe uns als Partner auf einem gemeinsamen Weg zum Wohl der Kinder in unserem Land.“

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