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Zehn Gute Gründe gegen Stuttgart 21

3. November 2011

Die Fraktion GRÜNE im Landtag hat die wichtigsten Gründe, die gegen das Milliardenprojekt S21 sprechen, übersichtlich zusammengefasst.

1. Kosten explodieren
Die Baukosten für Stuttgart 21 mussten seit der Finanzierungs-vereinbarung im Jahr 2009 von drei Milliarden Euro auf 4,5 Milliarden Euro stetig nach oben korrigiert werden. Weitere Kostenrisiken sind vorprogrammiert, so dass die vertraglich vereinbarte Kostengrenze von 4,5 Milliarden Euro kaum zu halten sein wird. Daher sollte das Land sofort aus dem Projekt aussteigen, um einen finanziellen Schaden abzuwenden und eine Verschwendung von Steuergeldern zu verhindern.

2. Bahn hat viele Risiken noch nicht beziffert
Die Deutsche Bahn hat für das Projekt 121 Kostenrisiken in Höhe von 1,2 Milliarden Euro aufgelistet. Trotz mehrmaliger Aufforderung durch das Land sowie den Ministerpräsidenten hat die Bahn diese Kostenrisiken bis heute nicht vollständig offengelegt. Rund 100 Risikopositionen sind weiterhin unbekannt. Dazu gehören erkennbare Baurisiken durch den Tunnelbau in schwerer Geologie und erhöhte Transport- und Deponiekosten. Bis heute ist nicht geklärt, wer die Mehrkosten trägt, falls der Kostendeckel von 4,5 Milliarden Euro überschritten wird.

3. Der Schlichterspruch sorgt für weitere Mehrkosten
Stuttgart 21 wird teurer als erwartet, weil die Bahn nach dem Schlichterspruch ihre Pläne nachbessern musste. Schlichter Heiner Geißler forderte im Herbst 2010 dazu auf, die Gäubahn zu erhalten und ein zweites Gleis in der Großen Wendlinger Kurve zu bauen. Durch das zweite Gleis sollen die Regionalzüge aus Richtung Tübingen an die ICE-Neubaustrecke von Stuttgart nach Ulm angebunden werden.

4. Verspätungen sind vorprogrammiert
Das Schlichtungsverfahren hat gezeigt, dass S21 den Schienen-verkehr im Land nicht so stark verbessert, wie immer behauptet wird. Gerade im Regional- und S-Bahnverkehr können durch den Tiefbahnhof Verspätungen nicht abgebaut werden. Im Gegenteil. Durch die extrem dichte Zugfolge von ein bis zwei Minuten im Tiefbahnhof kann es bei hohem Fahrgastaufkommen zur Ferienzeit oder bei Volksfesten schnell zu Verspätungen kommen.

5. Geld für andere Schienenprojekte fehlt
Wird der Tiefbahnhof mit einem Landesanteil von 930 Millionen Euro gebaut, könnten viele wichtige Schienenprojekte in den nächsten Jahren nicht realisiert werden wie die Elektrifizierung der Südbahn von Ulm nach Friedrichshafen, der viergleisige Ausbau der Rheintalbahn zwischen Offenburg – Freiburg und Basel sowie mehrere Stadtbahnprojekte wie die Ludwigsburger Stadtbahn und die Zabergäubahn von Heilbronn nach Brackenheim.

6. Integraler Taktfahrplan bei S21 nicht möglich
Im achtgleisigen Tiefbahnhof ist kein Integraler Taktfahrplan möglich. Die Züge müssen zu abgestimmten Umsteigezeiten im ebenerdigen Bahnhof ein- und abfahren. Der ebenerdige Umstieg hätte Vorteile für Reisende mit Kinderwagen, gehbehinderte Menschen oder Rollstuhlfahrer, weil sie keine Aufzüge oder Treppenanlagen benutzen müssen.

7. Keine Sicherheit bei Bränden im Tiefbahnhof
Bis heute hat die Deutsche Bahn kein funktionierendes Brandschutzkonzept für den Tiefbahnhof vorgelegt. Damit kann dieser bei schweren Bränden zu einer gefährlichen Falle für Rollstuhlfahrer oder Eltern mit Kinderwagen werden. Tunnelbrände können nie vollständig ausgeschlossen werden, selbst bei modernen Elektrolokomotiven nicht.

8. Mineralquellen sind gefährdet
Für den Bau des Tiefbahnhofes muss eine 1,35 Kilometer lange und 81 Meter breite Baugrube ausgehoben werden. Um ein Vollaufen der Baustelle mit Grundwasser zu verhindern, muss permanent Grundwasser abgepumpt werden, pro Jahr 6,8 Millionen Kubikmeter. Das entspricht der Menge von 3600 Freibädern. Die Tunnelbohrungen im Anhydrit-Gestein könnten außerdem die Stuttgarter Mineralquellen dauerhaft verschmutzen.

9. Bäume im Schlossgarten müssen weg
Für die Bauarbeiten von S21 müssen 160 Bäume im Schlossgarten abgeholzt oder umgepflanzt werden. Damit wird der historische Baumbestand mit seinen seltenen Tier- und Pflanzenarten zerstört und der Naherholungscharakter des Schlossparks gestört.

10. Denkmalgeschützter Bahnhof wird teilweise zerstört
Beim Bau des Tiefbahnhofes S21 müsste der historische Südflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofs abgerissen werden. Ein großer Verlust, denn das markante Backsteinmauerwerk gehört zum Stuttgarter Stadtbild.

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