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Vor der Wahl das bange Warten auf die Möbelpacker

4. September 2009

Stuttgarter Zeitung, Ausgabe Esslingen, 2. September 2009

Esslingen Cem Özdemir leistet Wahlkampfhilfe für Andrea Lindlohr und untermauert seine Ambitionen in Stuttgart. Von Wolfgang Berger

„Für mich ist Esslingen nicht irgendeine Stadt“: Cem Özdemir, das Zugpferd im Wahlkampf der Stuttgarter Grünen, betonte gestern auf der Agnesbrücke seine Verbundenheit mit Esslingen, wo er bereits 1990 für den Bundestag kandidierte und sich mit Otto Hauser herumschlug. „Kollege? Sie werden nie ein Kollege von mir“, soll der CDU-Mann Özdemir entgegengeschleudert haben. Vier Jahre später strafte Özdemir Hauser Lügen und zog ins Parlament ein.

Diesen Schritt will der Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen in diesem Jahr wiederholen. Özdemir gab sich kämpferisch. Nebenbei bat der 43-Jährige die rund hundert Zuhörer, im Freundes- und Bekanntenkreis dafür zu werben, dass er in dreieinhalb Wochen das Direktmandat erobert. Neben seiner Popularität setzt er auf grüne Inhalte. Klimaschutz, Bildungspolitik, Wirtschaft – auf allen diesen Feldern beschrieb der Politiker beim Wahlkampf-Talk in gewohnt sicherer Manier seine Ziele, wobei die Kandidatin der hiesigen Grünen, Andrea Lindlohr, den Auftritt weniger zur eigenen Profilierung nutzte, sondern sich in die Rolle als Stichwortgeberin für ihren prominenten Gast schickte.

„Mülltrennung ist okay, Kinder trennen ist nicht okay“ – Özdemir ist auch bei seiner Kritik des Bildungssystems um eingängige Formulierungen nicht verlegen. In der Überzeugung, dass die Gesellschaft „jede und jeden“ benötige, fordert er, die Bildungschancen unabhängig von der Herkunft und des Geldes gleich zu verteilen.

Die Wirtschaftskrise will Özdemir zum Anlass nehmen, um grüne Technologien voranzutreiben. „Wir haben einen riesigen Markt, die Hybridtechnologie, verschlafen“, stellt er fest und warnt die Politik und die Automobilwirtschaft davor, auch beim Elektroauto den Zug zu verpassen. Im Bereich der regenerativen Energien und in umweltfreundlichen Technologien schlummere ein Potenzial, das Arbeitsplätze schaffen werde. Teile der Wirtschaft hätten dies verstanden, die Aufgabe der Politik sei nun, die Entwicklung zu forcieren.´

Der guten Wahlkampftradition folgend ließ Cem Özdemir den Seitenhieb auf den politischen Gegner nicht vermissen. Die Grünen wollten auf Bundesebene als drittstärkste Kraft vor den Liberalen landen, um Schwarz-Gelb zu verhindern. Özdemir sagt voraus, „dass Guido Westerwelle auch im vierten Anlauf die Möbelpacker wieder abbestellen muss“. Was seine eigenen Ambitionen angeht, ist der 43-Jährige vorsichtiger. Er könne gewinnen, doch ein „gemähtes Wiesle“ sei Stuttgart für ihn nicht.

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