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„Studiengebühren sind unsozial“

2. März 2011

Esslinger Zeitung 28.2.2011

Zu einer von zwölf landesweiten Zukunftskonferenzen zur Landtagswahl hatten der Stadtjugendring und der Jugendgemeinderat ins Alte Rathaus geladen. Jugendliche ab 15 Jahren sagten den Landtagskandidaten, wo bei ihnen der Schuh drückt und was sie sich für die Zukunft wünschen. Am Ende wurde gewählt.

Von Peter Dietrich

Zuerst trafen sich die Jugendlichen in Arbeitsgruppen. Mobilität und Freizeit, Schule und Ehrenamt, Gesellschaft und Integration waren die Stichwörter, zu denen sie sich Gedanken machten. Dann folgte die zweistündige Diskussion mit den Landtags- kandidaten. Es stellten sich Andreas Deuschle (CDU), Ina Wolpert (Zweitkandidatin der SPD), Andrea Lindlohr (Grüne), Mihael Duran (Zweitkandidat der FDP), Tobias Hardt (Die Linke) und Erik Kuch von der Piratenpartei. Die Moderatorin Andrea Wagner meisterte ihre schwierige Aufgabe gut. Schwierig war sie auch deshalb, weil manche Anliegen kaum Sache der Landespolitik sind. Der Wunsch nach günstigen Räumlichkeiten – damit der Abi­ball nicht nach Denkendorf ausweichen muss – ist eher eine Aufgabe der Stadt. Lindlohr wies aber auf die indirekte Rolle des Landes hin: Wie viele flüssige Mittel eine Kommune habe, hänge vom Land ab. Ein Nachttaxi, das man vorher bestellen muss, ist den Jugendlichen zu unflexibel. „Ich weiß doch nicht eine Stunde vorher, wann ich heimgehe“, meinte ein Mädchen. Sie wünscht sich einen weiteren, späteren Nachtbus von Stuttgart nach Esslingen, bisher fährt der letzte um drei Uhr. Applaus gab es für die Kritik der Arbeitsgruppe an hohen VVS-Fahrpreisen.

 „Studiengebühren sind unsozial.“ Mit dieser Aussage schloss sich Duran, dessen FDP die Studiengebühren mit der CDU eingeführt hatte, der Forderung von SPD, Grünen und Linken nach deren Abschaffung an. Allenfalls nachgelagert, wenn jemand später gut verdiene, dürfe es solche Gebühren geben. Am weitesten ging Kuch von der Piratenpartei, für den nicht nur das Erststudium kostenfrei sein soll, sondern auch jedes weitere. Hardt will sich außerdem für die Lernmittelfreiheit einsetzen. Wegen der vielen Ausnahmen müssten gut die Hälfte der Studierenden gar keine Studiengebühren zahlen, meinte Deuschle, der die Gebühren als einziger verteidigte.

Ehrenamt anerkennen

Ein weiteres Anliegen war die Anerkennung des Ehrenamts. 100 geleistete Stunden in einem Jahr, diese Hürde der Hochschule halten die Jugendlichen für zu hoch. Sie warnten zudem vor einem Missbrauch nach dem Motto „Kassen leer, Ehrenamtliche her“. Man müsse dafür sorgen, dass die Kassen voll würden, entgegnete Hardt, etwa durch eine Vermögenssteuer und eine bessere Steuerfahndung. Wie wichtig Sprachförderung für die Integration ist, war bei allen Teilnehmern der Zukunftskonferenz unumstritten.

Auf die Diskussion folgte eine geheime Wahl. Auf Deuschle, Duran, Hardt und Kuch entfiel jeweils eine Stimme, Lindlohr gewann deren zwei. Wolpert, die als Stadträtin bei den kommunalen Themen einen gewissen Heimvorteil hatte, lag mit zehn Stimmen deutlich vorne.

Wer von den Kandidaten gewählt wird, wird drei der Jugendlichen womöglich wiedersehen. Denn Maren, Vera und Simon wurden ausgelost, im nächsten Sommer zum Landtag zu fahren. Dann erhalten alle Abgeordneten ein Buch mit den Ideen und Wünschen aus den zwölf Zukunftskonferenzen.

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