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Schüler fühlen Landtagskandidaten auf den Zahn

3. Februar 2011

Esslinger Zeitung 29.1.11

ES-Zell: Friedrich-Ebert-Schule eröffnet mit einer Podiumsdiskussion der Bewerber die heiße Phase des Wahlkampfs. Bildungspolitik, Staatsfinanzen, neue Energien, Arbeitsmarkt und das umstrittene Großprojekt Stuttgart 21: An spannenden Themen fehlte es den Schülern der Friedrich-Ebert-Schule nicht, als sie den Landtagskandidaten aus dem Wahlkreis Esslingen auf den Zahn fühlten. Traditionell hat ihr Gemeinschaftskunde-Lehrer Peter Schmid die Nase vorn, wenn es gilt, die heiße Wahlkampfphase mit einer Podiumsdiskussion einzuläuten.

Von Alexander Maier

Wolfgang Drexler (SPD), Andreas Deuschle (CDU), Andrea Lindlohr (Grüne), Rena Farquhar (FDP) und Tobias Hardt (Linke) wollen am 27. März den Einzug in den Landtag schaffen. Während sich Farquhar und Deuschle zuversichtlich zeigten, dass die schwarz-gelbe Landesregierung allen Turbulenzen zum Trotz am Ende wieder die Regierung stellen wird, demonstrierten Lindlohr, Drexler und Hardt ebenso selbstverständlich ihre Zuversicht, dass es Ende März zu einem Wechsel reicht. Doch bis dahin wartet noch einige Arbeit auf die Kandidaten – schließlich gilt es, die unentschlossenen Wähler, von denen es unter den Ebert-Schülern noch eine Menge gibt, von den eigenen Positionen zu überzeugen.

Interessierte Zuhörer, kritische Fragen

„Was kommt nach der Wahl?“ fragte Lehrer Peter Schmid die Kandidaten – und seine Schüler machten es den Politikern nicht immer einfach. So musste sich Wolfgang Drexler die Frage gefallen lassen, weshalb seine Partei heute gegen Lohndumping eintrete, während sie zu rot-grünen Regierungszeiten  keinen flächendeckenden Mindestlohn beschlossen habe. Andreas Deuschle, der gerne die Beiträge seiner Mitbewerber mit Zwischenrufen kommentierte, , wurde von einem verärgerten Schüler angezischt: „Nun lassen Sie die anderen doch mal ausreden.“ Und Tobias Hardt musste sich die Haltung seiner Parteichefin zum Kommunismus vorhalten lassen.

Inhaltlich waren die Fronten rasch klar: Während CDU und FDP das Land auf einem guten Weg sehen, gibt es für SPD, Grüne und Linke vieles, was sich verbessern ließe – nicht zuletzt in der Bildung. Drexler sieht noch einigen Nachholbedarf, damit jeder junge Mensch die Chance auf einen möglichst hochqualifizierten Abschluss bekommt, Farquhar plädiert indes für ein verpflichtendes letztes Kindergarten-Jahr. Tobias Hardt will kleinere Klassen, Förderunterricht und kostenlose Kindergartenbesuche. Deuschle verweist dagegen auf 5500 neue Lehrerstellen im vergangenen Jahr und warnt vor Experimenten. Lindlohr, die mehr Offenheit für neue Lernkonzepte fordert, ist sich mit Drexler und Hardt einig, dass die Studiengebühren weg müssen, damit sich jeder, der dafür qualifiziert ist, ein Studium leisten kann. Wenig überraschend die Haltung der Kandidaten zur Energieversorgung, wo Rot und Grün weit mehr für die erneuerbaren Energien tun wollen, während Schwarz und Gelb die Weichen in die richtige Richtung gestellt sehen.

Dass die Politik, wer auch immer die neue Regierung stellen wird, etwas gegen den drohenden Fachkräftemangel tun muss, ist für alle Bewerber klar – nur das Wie ist umstritten. Tobias Hardt setzt sich für Grundrecht auf Ausbildung ein, Wolfgang Drexler sieht bei der Weiterbildung gering Qualifizierter noch erhebliche Defizite, die er genau wie Andrea Lindlohr angehen will. Rena Farquhar verweist derweil genau wie Andreas Deuschle auf die nach ihrer Ansicht „extrem gute Arbeitsmarktpolitik des Landes“.

Überraschend war, dass Stuttgart 21 für viele der Schüler nicht die vordringliche Rolle spielt – die Podiumsdiskussion war fast vorbei, als das Thema doch noch aufs Tapet kam. Für Andreas Deuschle ist S 21 eines der wichtigsten Bahnprojekte überhaupt, er steht wie Farquhar hinter den Plänen. Für Drexler gibt es zum Bahnprojekt  ebenfalls keine Alternativen, um den Straßenverkehr zu entlasten. Dagegen steht für Andrea Lindlohr in den Sternen, ob sich das vom Schlichter Heiner Geißler vorgeschlagene „Stuttgart 21 plus“ überhaupt realisieren lässt, Hardt will den modernisierten Kopfbahnhof. Einig sind sich Grün und Rot, dass nach der Landtagswahl die Bürger entscheiden müssen, ob das Land im Boot bleiben soll.

Auch wenn am Ende manche Fragen blieben, war die Runde für die Schüler allemal interessant. Bernd Dannemann (21) sptrach denn auch für viele im Publikum: „Ich weiß nach dieser Diskussion noch nicht, wen ich wählen werde. Dass man jedoch Einblick in verschiedene Themen bekommen hat, fand ich sehr hilfreich.“

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