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S21 bringt die S-Bahn aus dem Takt

14. November 2011

Die Grüne Regionalfraktion im Verband Region Stuttgart analysiert in einer kürzlich veröffentlichten Studie (hier die Ergebnisse als PDF), wie sich der Bau von Stuttgart 21 auf den S-Bahnverkehr auswirken würde. Im Einzelnen wird kritisiert, dass:

  1. die S-Bahn für Verspätungen anfälliger wird;
  2. der im Stuttgart 21-Fahrplan vorgesehene Linientausch für die Fahrgäste viele Nachteile mit sich bringt. So würde die S1 zukünftig nicht mehr über die Universität und Böblingen nach Herrenberg fahren, sondern an der Schwabstraße enden;
  3. Betriebsstörungen deutlich schlechter abgefangen werden könnten;
  4. eine S-Bahn Verlängerung nach Neuhausen nicht wahrscheinlicher wird.


1. ZUVERLÄSSIGKEIT UND PÜNKTLICHKEIT DER S-BAHN
Bereits heute ist die Stammstrecke der S-Bahn im Innenstadttunnel von Stuttgart nahe an einem kritischen Bereich. Stuttgart 21 verschärft diese Situation noch. Dabei geben die 179 Kommunen der Region Stuttgart 100 Millionen Euro für das Projekt aus. Mit Stuttgart 21 wird die S-Bahn allerdings nicht besser, sie verschlechtert sich.

2. LINIENTAUSCH DER S-BAHNEN
Seit den in der Schlichtung im Herbst 2010 vom Land vorgelegten Fahrplankonzepten ist klar, dass Stuttgart 21 nur durch einen Linientausch bei der S-Bahn einen einigermaßen konfliktfreien Fahrplan haben kann. Diese Konflikte resultieren aus den längeren Fahrzeiten durch die neue S-Bahnhaltestelle Mittnachtstraße. Deshalb fahren dann die S4, S5 und S6 nach Stuttgart-Vaihingen, während die S1, S2 und S3 zukünftig an der Schwabstraße endhalten sollen.
Der Linientausch wurde nicht von der grün-roten Landesregierung angeordnet. Der Linientausch ist vielmehr die von SMA vorgeschlagene und durch die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) favorisierte Führung der S-Bahn, um die Fahrplankonflikte mit dem Regionalverkehr zu reduzieren. Entscheidend ist, dass alle Fahrpläne von Stuttgart 21 und auch der Stresstest auf dem Linientausch beruhen. Ohne den Linientausch, mit all seinen Nachteilen für die Fahrgäste, ist völlig unklar, ob Stuttgart 21 den Stresstest bestehen würde.

3. NOTFALLKONZEPT S-BAHN
An mehr als 60 Tagen im Jahr kommt es zu betriebsbedingten Störungen bei der S-Bahn, so dass die Stammstrecke in der Stuttgarter Innenstadt nicht mehr befahrbar ist. Die Häufigkeit zeigt: der Notfall ist kein seltenes Ereignis auf der S-Bahn, er kommt regelmäßig vor. Damit die S-Bahn durchgehend eine hohe Betriebsqualität und Zuverlässigkeit hat, kommt es also auf ein gut durchdachtes Notfallkonzept an.
Bislang können die fahrgaststärksten Linien S1 und S2 umsteigefrei sowohl am Hauptbahnhof (oben) in Stuttgart halten, als auch ihre Halte in Stuttgart-Vaihingen und Flughafen bzw. Böblingen und Herrenberg bedienen. Mit dem Linientausch und dem geplanten Tiefbahnhof muss das Notfallkonzept grundlegend geändert werden. Dabei muss der Fildertunnel mit herkömmlicher Signaltechnik nachgerüstet werden. Gleichzeitig kann die Gäubahntrasse nicht aufgegeben werden, sondern wird auch für das neue Notfallkonzept betrieben werden. Bisher ist diese aber nicht in den Planungen vorgesehen, ebenso ist unklar, wer für den Erhalt der Strecke aufkommt und wie die S-Bahn überhaupt auf diese Trasse einfahren kann. Sie muss dazu nämlich alle Gleise des Regional- und Fernverkehrs kreuzen, blockiert diese also und sorgt so im Notfall für Verspätungen bei Fern- und Nahverkehr.
Für die Fahrgäste der S1 bedeutet dieses Konzept ein dreifaches Umsteigen: an der Mittnachtstraße in die S5 (Nord) nach Feuerbach, dort in die S4 nach Vaihingen (über die Gäubahntrasse), dort in die S5 (Süd) nach Herrenberg. Zugleich ist unklar, wie die an der Mittnachstraße aussteigenden Fahrgäste der S1 und S5 mit dem Fahrziel Stuttgarter Innenstadt von dort weiter kommen.

4. S-BAHN NACH NEUHAUSEN
Immer wieder wird behauptet, dass die S-Bahn nach Neuhausen erst durch Stuttgart 21 wirtschaftlich würde, weil sich die Fahrzeiten Richtung Stuttgart-Mitte durch die Umsteigemöglichkeit am Flughafenbahnhof verbessern. Aufgrund der fahrplantechnischen Zwänge gibt es aber nur wenige schnelle Umsteigemöglichkeiten auf Regionalzüge zum Hauptbahnhof. Die Auswertung des Stresstest-Fahrplans zeigte, dass sich durch Stuttgart 21 für die S-Bahnverlängerung nach Neuhausen keine Vorteile ergeben.

5. FAZIT
Die Auswirkungen von Stuttgart 21 auf die S-Bahn sind klar negativ. Die angespannte Situation im Stuttgarter Innenstadtbereich wird nicht verbessert, sondern verschlechtert. Die Region Stuttgart gibt 100 Millionen Euro für Stuttgart 21 aus, die größte Investition seit Bestehen der S-Bahn 1978. Anstelle einer Verbesserung bekommen die Fahrgäste eine Verschlechterung.

2 Kommentare zu "S21 bringt die S-Bahn aus dem Takt"
  1. […] Sicht zur Sprache kamen. So müsste etwa mit dem Fahrplan, der im Stresstest unterstellt wurde, ein Linientausch bei der S-Bahn erfolgen, der die bisher umsteigefreie Fahrt mit der S1 unterbricht. Pendler nach Vahingen oder […]

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