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S 21 beflügelt die Grünen

9. November 2010

Esslinger Zeitung 26. Oktober 2010

ESSLINGEN: Ortsvorstand hofft auf Landtagsmandat

Fünf Monate vor der Landtagswahl sehen sich die Esslinger Grünen im Aufwind. Nach guten Ergebnissen bei den letzten Kommunal- und Bundestagswahlen ist der Vorstand des Ortsverbands optimistisch, dass der Esslinger Kandidatin Andrea Lindlohr im März der Einzug in das Landesparlament gelingen wird.

Von Kornelius Fritz

Die Esslinger Grünen sind im Moment in bester Stimmung: Die Umfrageergebnisse sind gut, die Mitgliederzahlen steigen und seit einiger Zeit gibt es in Esslingen sogar wieder eine aktive Grüne Jugend mit mehr als 20 Mitgliedern. „Das zeigt, dass die Grünen keine Eingenerationenpartei sind, wie manchmal behauptet wird“, sagt Lukas Hack, der mit seinen 19 Jahren bereits Mitglied im Ortsvorstand der Partei ist. Einen Grund für den Zuspruch tragen Hacks Vorstandskollegen Martin Lesny und Helmut Müller-Werner in Form des obligatorischen „Oben bleiben“-Buttons am Revers: „Stuttgart 21 ist natürlich das Thema, das uns und unsere Anhänger im Moment am meisten aufwühlt“, weiß Martin Lesny.

Wichtig ist den Esslinger Grünen allerdings, dass man nicht auf eine Modewelle aufgesprungen sei: „Wir waren von Anfang an dagegen“, betont Müller-Werner. „Wenn man begrenzte Mittel effizient einsetzen will, darf man Stuttgart 21 nicht bauen“, ergänzt Martin Lesny. Das umstrittene Bahnprojekt ist für ihn auch Ausdruck eines „Demokratiedefizits“. Seine Partei wolle sich deshalb für mehr direkte Demokratie in Form von Bürgerentscheiden stark machen, sei es auf kommunaler oder auf Landesebene.

Um den Bahnverkehr voranzubringen, stehen die Grünen zum Alternativkonzept K 21. Dass Esslingen darunter leiden könnte – etwa durch den Bau einer aufgeständerten Schnellbahntrasse durchs Neckartal – glauben sie nicht. Das sei ein „Schreckensszenario“, das von den S 21-Befürwortern verbreitet werde, sagt Müller-Werner.Vor allem auf die Esslinger SPD, die laut Lesny „ständig mit Unwahrheiten agiert“, sind die Grünen deshalb nicht sonderlich gut zu sprechen. Gleichwohl ist ihnen klar, dass der Traum, die schwarz-gelbe Landesregierung abzulösen, nur mit Hilfe der Genossen möglich sein wird. Und so sucht man an anderer Stelle wieder die Annäherung.

Kritik an OB Zieger

Beim Atomausstieg sei man sich weitgehend einig und auch in der Schulpolitik hat Müller-Werner „eine natürliche Nähe zur SPD“ ausgemacht. Zum Beispiel wenn es um das „unsägliche G8“ (Lesny) oder längeres gemeinsames Lernen geht. So könnte sich Müller-Werner vorstellen, dass man an der Berkheimer Schillerschule, deren Zukunft als Werkrealschule fraglich ist, „ein neues Schulmodell mit Bildungschancen für alle entwickeln kann.“

Um lokale Themen kümmert sich der Ortsverband auch bei Fragen des Umwelt- und Naturschutzes: Sei es beim Einsatz für den Radverkehr oder ganz konkret mit einer Streuobstbörse, die Leute, die gerne Obst ernten wollen und solche, die sich um ihre Wiese nicht kümmern können oder wollen, zusammenbringt.

Wohl nicht von Erfolg gekrönt ist hingegen der Vorstoß, dass die Stadt Esslingen ihr Stromnetz nach dem Auslaufen der Konzessionsverträge im Jahr 2012 selbst betreiben soll: „Unser OB will weiter ausschließlich auf die EnBW setzen, und das ist nun wirklich kein Unternehmen, das für eine fortschrittliche Energiepolitik steht“, kritisiert Lesny.

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