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Politische Projekte nicht kleinrechnen

23. September 2009

Nürtinger Zeitung 21. September 2009

MdB Winfried Hermann nimmt Stellung zu Stuttgart 21 und ICE-Trasse

Von Christa Ansel

WENDLINGEN. Politische Projekte werden in der Öffentlichkeit kleingerechnet. Dies ist die Meinung des grünen Bundestagsabgeordneten Winfried Hermann, der am Freitagabend im „Lamm“ in Wendlingen der grünen Kandidatin im Wahlkreis Esslingen, Andrea Lindlohr, nicht nur Wahlkampfhilfe leistete, sondern ausführlich und unerschrocken Stellung bezog zu seiner Meinung nach politischen Projekten wie Stuttgart 21 oder die Neubaustrecke Stuttgart–Wendlingen–Ulm. Einen Tiefbahnhof in Stuttgart lehnt der engagierte Grüne vehement ab. Die Neubaustrecke über die Alb müsse vor Baubeginn nochmals gründlich geprüft werden, ehrliche Zahlen müssten auf den Tisch.

Hermann kritisierte in Wendlingen heftig die Investitionspolitik der Bahn, die Hochgeschwindigkeitsstrecken favorisiere, statt den Nah- und Regionalverkehr zu stärken. Die ICE-Neubaustrecke von Stuttgart über Wendlingen nach Ulm sei abartig teuer und dies nur, um Züge mit hohen Geschwindigkeiten fahren zu können. Hermann sprach von „der Lufthansa auf dem Boden“, von der nur ein geringer Anteil der Bahngäste profitierten. 90 Prozent aller Bahnfahrer bewegten sich im Nah-und Regionalverkehr.

Das Vorhaben der Bahn, über die Neubaustrecke künftig „leichte Güterzüge“ fahren zu lassen, geht nach Meinung des grünen Verkehrsexperten gar nicht. Alle Güterzüge der Bahn seien über tausend Tonnen schwer, leichte Güterzüge gebe es gar nicht. Statt durch die Doppelnutzung der Neubautrasse die Kosten in die Höhe zu treiben, fordert Hermann die Optimierung der bestehenden Bahntrasse über die Geislinger Steige. Bisher werde diese Trasse von den privaten Güterzugbetreibern gemieden, weil die Trassengebühr zu hoch und zudem Loks der Bahn für die Steilstrecke angemietet werden müssten.

Winfried Hermann spricht von einer „vermurksten Planung“. Hier werde Geld verbrannt, obwohl die Investitionen dem System nichts brächten. „Von der Magistrale Paris–Budapest schwärmen nur die, die gar nicht Bahn fahren.“ Die Neubautrasse müsse seiner Meinung nach für den reinen Personenverkehr umgeplant werden. Das spare Geld, das zur Verbesserung der bestehenden Güterzugstrecke im Filstal eingesetzt werden könne.

Das Projekt Stuttgart 21 hält Hermann für falsch. Er ist dafür, das Projekt zu stoppen, auch wenn dafür bereits Millionen ausgegeben worden seien. Mit diesem Projekt werde viel Geld versenkt, nur damit wenige Fahrgäste im Fernverkehr schnell unter Stuttgart hindurchfahren könnten. Hermann sprach von einer großen Dummheit, von der Verschwendung von Milliarden. Im Tiefbahnhof könnten die Züge im Vergleich zum Kopfbahnhof nicht aufeinander warten, ein integraler Taktfahrplan sei nicht möglich. Geplant seinen acht unterirdische Bahngleise, aber nur vier Zu-und Abfahrtsgleise. Die Leistungsfähigkeit eines Tiefbahnhofs sei kleiner als die des Cannstatter Bahnhofs mit zehn Gleisen.

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