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Perspektiven für Flüchtlinge und für das Ehrenamt

9. März 2016

Flüchtlinge-bei-uns_NeuhausenDie Esslinger Landtagsabgeordnete Andrea Lindlohr begrüßte rund 50 Bürgerinnen und Bürger zu dem Gesprächsabend „Flüchtlinge bei uns – Perspektiven gemeinsam gestalten“ mit Ehren-, Hauptamtlichen und Flüchtlingen im Ostertagshof in Neuhausen, zu dem die Initiative Grüne Liste eingeladen hatte.

„Kein Politiker und keine Politikerin kann derzeit sagen, wann der Krieg in Syrien und weitere Konflikte, vor denen so viele Menschen fliehen, befriedet sein werden. Um die Herausforderung langfristig gut zu meistern, brauchen wir aber eine gemeinsame europäische Flüchtlingspolitik, bei der alle Länder mitwirken“, begann Lindlohr. „Dass sich so viele Menschen bei uns ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren, ist eine große Leistung. Und es ist gut, wenn sie gemeinsam mit Flüchtlingen der Politik Rückmeldung geben, was wir verbessern müssen.“

Martina Kleinhansl leitet die Sprachgruppe der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe Willkommen in Neuhausen (WiN) und schildert die Situation im Camp, in dem derzeit 90 geflohene Menschen aus 17 verschiedenen Nationen leben: „Sprache ist der Schlüssel zu allem, deshalb haben wir gleich geschaut welches Sprachniveau die geflohenen Menschen, die hier ankamen, haben. Für die Flüchtlinge mit Bleibeperspektive werden professionelle vom BAMF finanzierte Sprachkurse angeboten. Die anderen Flüchtlinge werden von vielen Ehrenamtlichen unterrichtet. Wir möchten nicht, dass Neiddiskussionen unter den Menschen entstehen.“ Es sei eine logistische Herausforderung, die Flüchtlinge mit Kleidung zu versorgen, erklärt Karin Eisele von der WiN-Kleiderkammer. „Wir reden oft von den Flüchtlingen als eine Gruppe, doch das sind alles Menschen mit ganz unterschiedlichen kulturellen Wurzeln und Gewohnheiten.“ Bei 90 Menschen aus 17 Nationen koste es viel ehrenamtliche Kraft, alle Gruppierungen im Camp zu erreichen.

Christian-Ledoux Longo Longo, aus Kamerun geflohen, lernt Deutsch und hilft mit Hausmeistertätigkeiten bei der Kinder- und Jugendhilfe in Neuhausen aus. Der Lärm im Camp sei ein echtes Problem: „Die Heizung ist sehr warm, und vor zwei Uhr komme ich kaum zum Schlafen.“ Deshalb seien die Flüchtlinge oft unausgeschlafen und könnten sich zum Beispiel nur schwer beim Sprachenlernen konzentrieren.

„Ich möchte mich hier integrieren und arbeiten“, sagt Mohammed Basatneh, der Betriebswirt ist und vor dem Krieg in Syrien geflohen ist. Das richtige Programm dafür zu finden und den Überblick zu behalten, sei nicht immer ganz einfach.

Mit diesen Problemen kennt sich Hans Pietschmann von der Deutschen Angestellten Akademie gut aus, denn er betreut Projekte, die Flüchtlinge in Ausbildung bringen und vom Land und Landkreis gefördert werden: „Die geflohenen Menschen haben ganz unterschiedliche Profile und brauchen individuelle Betreuung, sonst klappt es mit dem Einstieg in das Berufsleben hier nur schwer.“ Deshalb setzte er auf die Vernetzung verschiedener Akteure, individuelle Beratung und kurze Wege zu den Entscheidern.

Die Vertreterinnen von WiN waren sich mit vielen Stimmen aus dem Publikum einig, dass die Um die Arbeit der Ehrenamtlichen in Neuhausen und darüber hinaus besser vernetzt werden müsse. Daher fordert Martina Kleinhansl einen Flüchtlingskoordinator für die Kommune. Andrea Lindlohr nahm die Aufgabe mit, dass es ein umfassendes Informationsportal mit den wichtigsten Fragen und Regelungen für die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer sinnvoll sei.

1 Kommentar zu "Perspektiven für Flüchtlinge und für das Ehrenamt"
  1. Guten Abend Frau Lindlohr,
    habe im Moment diesen Bericht gelesen und frage mich nun was sich im Neuhauser Camp wohl verbessert hat. In den letzten Wochen besuchte ich regelmäßig Flüchtlinge aus der ehemaligen Blumenhalle aus Ostfilderrn und muss feststellen, dass die Bewohner weder zu Praktikas noch zu regelmäßiger Arbeit in der Lage sein werden, da trotz Security für keine Nachtruhe gesorgt wird. Die Flüchtlinge berichten, dass ab ca. 3 -4 Uhr Ruhe einkehrt.
    Kürzlich musste ich mit ansehen, dass um 22.30 Uhr in gemütlicher Runde Security und Flüchtlinge Wasserpfeifen rauchten.

    Margarete Claß | 25. Juni 2016
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