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Nie war der Weg nach Stuttgart kürzer

8. Februar 2011

Stuttgarter Zeitung, Ausgabe Kreis Esslingen, 8.2.2011

Kreis Esslingen Die Grünen-Bewerber Winfried Kretschmann, Andrea Lindlohr und Andreas Schwarz setzen auf Sieg. Von Thomas Schorradt

Die Grünen im Landkreis Esslingen wollen sich von der landesweiten Sympathiewelle in den baden-württembergischen Landtag tragen lassen. Andrea Lindlohr (Wahlkreis Esslingen), Winfried Kretschmann (Wahlkreis Nürtingen) und Andreas Schwarz (Wahlkreis Kirchheim) empfehlen sich zum Wahlkampfauftakt als Alternative zu einer, wie Andreas Schwarz sagt, „CDU, die in den alten Rezepten stecken geblieben ist“.

Vor Wochenfrist hatte der Grünen-Vorkämpfer Winfried Kretschmann in Nürtingen die Richtung vorgegeben. „Wir wollen in die Regierung“, macht der 62-jährige Politiker unmissverständlich klar. (mehr bei weiterlesen… ) Nicht nur auf dem angestammten ökologischen Terrain, sondern auch in der Wirtschaftspolitik sieht Kretschmann seine Partei inzwischen auf der Überholspur – und im Gleichklang mit den baden-württembergischen Firmen. „Unsere Betriebe sind schon viel weiter als die schwarz-gelbe Politik“, sagt er. Die habe noch nicht erkannt, dass ein Thema wie Bildung auch in den Führungsetagen der Unternehmen diskutiert werde. „Wenn wir die Persönlichkeit junger Menschen individuell fördern, dann profitiert auch die Wirtschaft davon“, sagt Winfried Kretschmann.

Wie das gehen soll, sagt Andrea Lindlohr. „Wir wollen die Schule im Dorf lassen“, sagt sie. Die Kommunen im Land müssten endlich die Möglichkeit bekommen, ihre neuen Schulkonzepte im Sinne eines längeren gemeinsamen Lernens vor Ort umzusetzen. Die 35 Jahre alte Kandidatin ist seit 2003 im Landesvorstand ihrer Partei und sieht angesichts der guten Umfrageergebnisse die „historische Chance“ auf das erste grüne Landtagsmandat im Wahlkreis Esslingen.

Auf dem Weg dorthin geht die Politikwissenschaftlerin und Soziologin, die zumindest in ihrem Beruf als parlamentarische Beraterin für Wirtschaft und Arbeit den baden-württembergischen Landtag von innen her kennt, den steinigen Weg über die Podiumsdiskussionen. Knapp ein dutzend Mal wird sie in den nächsten Wochen für ihre Positionen streiten: Für eine Stärkung des öffentlichen Verkehrs und bessere Takte im Regionalverkehr, für mehr Bürgerbeteiligung bei Planungsprozessen und niedrigere Hürden bei Volksabstimmungen, für eine ökologische Modernisierung des Industriestandorts, bei dem die regionalen Technologieführer ihre Wettbewerbsvorteile bei Energie- und Umwelttechnik weltweit ausspielen können und gegen die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken.

Mittelteil (…):

Mit ihm als Ministerpräsidenten? „Das Amt muss zum Mann kommen“, sagt der Spitzenkandidat seiner Partei zurückhaltend. Bereit wäre er: Nach der Einschätzung Kretschmanns, der die Grünen im Land mitgegründet hat und 1980 erstmals ins Parlament eingezogen war, hat die CDU abgewirtschaftet. „Ministerpräsident Mappus fehlt der Kompass. Er übt sich in Hauruckaktionen ohne Maß und Ziel“, urteilt er über seinen Hauptkonkurrenten. Kretschmann, der unter Joschka Fischer im Jahr 1986 ins erste grün geführte Umweltministerium nach Hessen gezogen war, ehe er 1996 wieder in den baden-württembergischen Landtag zurückkehrte, sieht die Grünen nach Jahren der Opposition gerüstet, die Regierungsverantwortung zu übernehmen. „Nach 60 Jahren CDU-Herrschaft spüren wir eine Wechselstimmung im Land“, sagt er.

Fortsetzung Fließtext:

Im Wahlkreis Kirchheim will der Wirtschaftsjurist Andreas Schwarz die grüne Fahrkarte nach Stuttgart lösen. Der 31 Jahre alte Fraktionsvorsitzende seiner Partei im Kirchheimer Gemeinderat hat trotz seiner Jugend schon 15 Jahre Erfahrung in der Kommunalpolitik hinter sich und eine vielversprechende politische Zukunft vor sich. Das lässt sich nicht nur an den hohen Prozentzahlen ablesen, die Schwarz bei den jüngsten Kommunalwahlen eingefahren hat, sondern auch an seiner Berufung in das dreiköpfige Spitzenteam der Grünen, das den Fraktionschef Kretschmann auf dem Weg in die Regierungsverantwortung flankieren soll. Als Abgeordneter will sich Schwarz für eine sachgerechte Finanzausstattung der Kommunen verkämpfen. Finanziert werden soll der Mehraufwand unter anderem über eine Erhöhung der Grunderwerbssteuer.

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