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Most war ein Grundnahrungsmittel

28. August 2015
  Ralf Hilzinger (rechts der Mitte) erläutert Andrea Lindlohr und ihren Gästen die ökologische Bedeutung der Streuobstwiesen.


Ralf Hilzinger (rechts der Mitte) erläutert Andrea Lindlohr und ihren Gästen die ökologische Bedeutung der Streuobstwiesen.

Aus der Eßlinger Zeitung vom 24. August 2015 von Iris Koch

ESSLINGEN: Mit Andrea Lindlohr und Ralf Hilzinger durch die Streuobstwiesen

Streuobstwiesen sind ein ökologisches Kleinod. Sage und schreibe 5000 Tier- und Pflanzenarten finden in dieser Kulturlandschaft ein Zuhause. Um die gefährdeten Lebensräume zu erhalten, hat die grün-rote Landesregierung eine Streuobstkonzeption entwickelt. Bei einem Streuobstspaziergang erläuterte die grüne Landtagsabgeordnete Andrea Lindlohr, wie die Pflege künftig gefördert wird.

Rund 30 Gäste hatten sich zum Spaziergang mit Andrea Lindlohr und dem NABU-Vorsitzenden Ralf Hilzinger eingefunden. Baden-Württemberg sei die Hochburg der Streuobstwiesen, hob Lindlohr hervor. Mit 100 000 Hektar befinden sich hier europaweit die bedeutendsten Bestände des artenreichen Habitats. Dass es gefährdet ist, zeigt indes die Statistik: 1960 habe man hier 18 Millionen Bäume gezählt, 1990 noch 11,4 Millionen und bei der jüngsten Zählung 2009 nur noch 9,3 Millionen Bäume, machte die Politikerin deutlich.

Um Stücklesbesitzer, Vereine und Betriebe bei der aufwendigen Pflege zu unterstützen, wurde eine Schnittprämie von 15 Euro pro Hochstamm ins Leben gerufen. Aus dem Landkreis Esslingen seien zahlreiche Anträge etwa vom NABU, Obst- und Gartenbauvereinen und der Agendagruppe fristgerecht bis Mai eingereicht worden, so Lindlohr. Um die Förderung zu erhalten, müsse ein Schnittkonzept für fünf Jahre vorliegen. Neu ist zudem das Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl (FAKT), mit dem unter anderem die Grünlandpflege auf Streuobstwiesen mit 2,50 Euro pro Baum unterstützt wird.

Einblicke in den Lebensraum Streuobstwiese gab Ralf Hilzinger, der die Streuobstmosterei Altbach betreibt. Vorbei an Biotopen wie Hohlwegen, Magerstandorten und verfallenden Weinbergmauern ging es steil bergan.

Leben im Totholz

Dass das schwäbische Bedürfnis nach einem ordentlich gemähten Wiesle oft dem ökologischen Wert entgegen steht, zeigt sich etwa am Beispiel Mädesüß: Das Feuchtigkeit liebende Gewächs blüht im Spätsommer, wenn Bienen und andere Insekten anderswo keine Nahrung mehr finden – wenn es nicht vorher abgemäht wird, erläuterte Hilzinger. Weitere wertvolle Biotope fanden sich in Form eines vor Jahren umgestürzten Birnbaumes. Das sogenannte Totholz bietet vielen auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten ein Refugium, machte der Biologe deutlich. Beleuchtet hat er auch den historischen Hintergrund – so etwa die Tatsache, dass der Most früher tatsächlich ein Grundnahrungsmittel war. Bevor es flächendeckend fließendes Wasser gab, konnte es lebensgefährlich sein, das nicht keimfreie kühle Nass zu trinken. Mit Most war man dagegen auf der sicheren Seite.

Im Rahmen des neuen Konzeptes sollen künftig auch Herstellung und Vermarktung von Produkten aus Streuobstwiesen stärker gefördert werden. Zudem wird alle zwei Jahre ein Streuobstpreis vergeben.

http://www.streuobst-bw.info/

1 Kommentar zu "Most war ein Grundnahrungsmittel"
  1. […] Sie hatte im August einen gemeinsam mit dem Esslinger NABU-Vorsitzenden Ralf Hilzinger einen Streuobstspaziergang durch Esslingen angeboten und hatte dabei viel Zuspruch von Bürgerinnen und Bürgern […]

    Grün-rotes Förderprogramm sichert die Streuobstwiesen in der Region | Andrea Lindlohr | 5. November 2015
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