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Mosaikstein zum Erhalt der steilsten Lagen

7. Mai 2014

Esslinger Zeitung vom 03. Mai 2014

ESSLINGEN: Bessere Weinbau-Förderung durch die Landesregierung nützt örtlichen Wengertern

Von Alexander Maier

Esslingen ist stolz auf seine Steillagen: Sie prägen das Bild der Stadt, man schätzt sie als Kulturgut, und den Wengertern liegen diese charakteristischen Weinberge sehr am Herzen – auch wenn die steilsten Anbauflächen besonders arbeitsintensiv sind. Nun hat die grün-rote Landesregierung die Förderung für diese Bereiche verbessert. Für die Esslinger Weinbauern kommt der warme Regen aus dem Landessäckel zur rechten Zeit, denn ihre Kosten klettern in die Höhe – und sie lassen sich nicht einfach an die Kunden weitergeben.

Ebenso aufwendig wie wertvoll

Rund 800 Hektar solcher Steilstlagen werden landesweit bewirtschaftet – etwa 36 Hektar davon in Esslingen. Und sie sind nicht nur für den Weinanbau in der Stadt, sondern auch unter touristischen und ökologischen Aspekten von großer Bedeutung. Deshalb legen sich die Wengerter ins Zeug, um diese Anbauflächen zu bewahren. So hat sich der Staffelsteiger-Verein zusammengefunden. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, die historischen Trockenmauern, die den steilsten Weinbergen Halt geben, zu bewahren und stärker ins Bewusstsein zu rufen. Doch das ist nur die eine Seite. Albrecht Sohn, Vorsitzender der Weingärtner Esslingen, weiß um den großen Aufwand, den der Weinanbau in den steilsten Lagen bedeutet: „Da ist alles Handarbeit. Und wenn die alten Mauern beschädigt werden, ist der Aufwand groß, um sie wieder aufzubauen.“ Deshalb begrüßt er die Initiative der Landesregierung, die Förderung des Weinbaus in solchen Bereichen zu verbessern. „Natürlich bleibt die Hauptarbeit weiterhin bei uns Wengertern hängen. Aber die jüngsten Beschlüsse helfen uns ein gutes Stück weiter.“

Das sieht die Esslinger Landtagsabgeordnete Andrea Lindlohr (Grüne) genau so. Sie hat sich gestern vor Ort von der Bedeutung höherer Landeszuschüsse für diese Anbauflächen überzeugt und kommt zu dem Schluss: „Diese Weinberge sind ein wichtiges Kulturgut. Wir müssen alles dafür tun, sie zu erhalten.“ Das sei auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit, denn der Arbeitsaufwand in den Steillagen ist etwa fünf Mal so groß wie der zur Bewirtschaftung von Flachlagen. Deshalb wird das Land den jährlichen Bewirtschaftungszuschuss für die Steillagen von 2015 an von 350 Euro auf 900 Euro je Hektar anheben – das Geld kommt aus dem Marktentlastungs- und Kulturlandschaftsausgleichsprogramm (Meka).

Und auch die Zuschüsse für die Umstrukturierung bestehender Rebflächen wurden 2014 erhöht. Wenn die alten Reben durch neue ersetzt werden müssen, was etwa alle 40 Jahre der Fall ist, gibt es einmalige Zuschüsse vom Land: Für lagen mit mehr als 30 Prozent Hangneigung sind es künftig für jeden Hektar 12 000 Euro statt bisher 10 000 Euro, bei mehr als 45 Prozent Hangneigung sowie Querterrassen werden 18 000 Euro (bisher 15 000 Euro) je Hektar bezahlt, für Mauersteillagen und Handarbeitslagen steigt der einmalige Zuschuss von 28 000 Euro auf 32 000 Euro.

Geplante Liberalisierung gebremst

Außerdem hat sich das Land bei der EU dafür stark gemacht, bei der geplanten Liberalisierung des Rebanbaus in Europa die Bremse zu treten: Entgegen anfänglicher Überlegungen, den Weinanbau komplett zu liberalisieren, darf vom Jahr 2016 an lediglich ein Prozent der bestehenden Rebflächen als Neupflanzungen genehmigt werden. „Eine stärkere Liberalisierung hätte die steillagen noch stärker unter Druck gesetzt, weil die ebenen Anbauflächen im Süden viel einfacher und damit günstiger zu bewirtschaften sind“, weiß Andrea Lindlohr. Albrecht Sohn betont, dass die verbesserte Landesförderung nicht alle Probleme lösen wird, aber er sieht darin einen wichtigen Beitrag zum Erhalt des Weinbaus im Land: „Berufsgenossenschaft, Krankenversicherung – alles wird teurer. Und durch den Mindestlohn entstehen uns ebenfalls deutliche Mehrkosten. Deshalb ist die verbesserte Förderung ein wichtiger Mosaikstein zum Erhalt der steilsten Anbaulagen in Esslingen.“

 

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