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Lindlohr diskutiert über Umbruch in der Automobilindustrie

23. November 2017
Andrea Lindlohr mit den Diskutanten des Esslinger Dialogs am 14.11.17 Wolfgang Nieke, Dr. Marco Warth, Franz Loogen und Thomas Renner (v.l.n.r)

Andrea Lindlohr mit den Diskutanten des Esslinger Dialogs am 14.11.17 Wolfgang Nieke, Dr. Marco Warth, Franz Loogen und Thomas Renner (v.l.n.r)

Am 14. November diskutierte Andrea Lindlohr mit vier Experten das Thema “Automobilindustrie im Umbruch – Wie fahren wir morgen?“. Die Brisanz des Themas für unsere Region lockte über 140 Interessierte zum Esslinger Dialog in den Bürgersaal des Esslinger Alten Rathauses. Lindlohr verwies bereits zu Beginn auf die Bedeutung der aktuellen Entwicklungen in der Autobranche: „Wir müssen sicherstellen, dass uns der Umbruch in Bezug auf Wirtschaftskraft und Arbeitsplätze gut gelingt. Ebenso wichtig ist aber, dass die neue Mobilität klimafreundlich ist. Schließlich kommen ein Drittel der CO2 Emissionen aus dem Verkehr.“

Das „Herz des Automobils“ könne die Region nur bleiben, wenn der Umbruch nun aktiv gestaltet werde. Daimler und Mahle beschrieben eine Doppelstrategie, bei der der Verbrennungsmotor den Wandel hin zu neuer Mobilität tragen müsse. Dr. Marco Warth, Leiter Vorausentwicklung bei der Mahle GmbH erläuterte, „dass das `alte ´ Geschäft den Aufbruch in die neue Welt der Elektromobilität bezahlen muss“. Künftig werde die Wertschöpfung in verschiedensten Bereichen anfallen. Die Verbesserung und Entwicklung von Antriebssträngen gehöre hier ebenso dazu wie der Etablierung neuer Geschäftsmodelle. Thomas Renner, Institutsdirektor des Anwendungszentrums KEIM an der Hochschule Esslingen, ergänzte: „Man darf sich nicht nur auf die Produktion von Blech konzentrieren, sondern auf die Entwicklung eines Fahrzeugs als System“ mit Software und Daten, die autonomes Fahren und die Vernetzung mit anderen Fahrzeugen möglich machen. Lindlohr teilte die Einschätzung, war jedoch überzeugt, dass das „eigene Auto in den Städten gegenüber dem öffentlichen Verkehr oder dem gemeinschaftlichen Nutzen von Autos und Rädern in Zukunft eine geringere Rolle spielen wird.“

Franz Loogen, Geschäftsführer der Landesagentur für Elektromobilität e-mobil BW GmbH, unter-strich, dass die Grundlage der neuen Mobilität die Energiewende sein müsse, denn nur bei umfassendem Ausbau erneuerbarer Energien und entsprechender Netzleistungsfähigkeit könne gerade die zukunftsweisende Elektromobilität klimaneutral und emissionsarm werden. Wolfgang Nieke, Betriebsratsvorsitzender des Mercedes-Benz-Werk Untertürkheim, fügte an, dass „Technologien nicht nur der Beschäftigung wegen weiterleben müssen“, sondern gute Arbeitsplätze und das Bauen sauberer Autos zusammen gehöre.

Dazu forderten die Diskutanten eine Offenheit gegenüber dem aktuellen Portfolio an Technologien: „Die Größe der Aufgabe“, so Warth, „braucht alle Wege, die bestehen, um erfolgreich ans Ziel zu kommen.“ Statt Verboten sollte die Politik Anreize setzen und den Aufbau einer geeigneten Infrastruktur fördern, wie mit der Landesinitiative III zur Förderung der Elektromobilität. Weiterer wichtiger Schlüssel, um den Arbeitsverlust gering und die Wertschöpfung hoch zu halten, sei die Aus- und Weiterbildung geeigneter Fachkräfte, so die Meinung der Experten.

Diskussion während Andrea Lindlohrs Esslinger Dialog mit Wolfgang Nieke, Dr. Marco Warth, Thomas Renner und Franz Loogen (v.l.n.r. )

Diskussion während Andrea Lindlohrs Esslinger Dialog mit Wolfgang Nieke, Dr. Marco Warth, Thomas Renner und Franz Loogen (v.l.n.r. )

Das Publikum interessierte sich unter anderem für die Rohstoffbeschaffung und den Ausbau der Ladeinfrastruktur für die E-Mobilität, Geschwindigkeitsbegrenzungen oder das Gewicht der Kraftfahrzeuge. Beim Abbau der Rohstoffe in Südamerika oder Zentralafrika müsse unser Anspruch, die Einhaltung der Menschenwürde sein, forderte Loogen. Mittel- und langfristig sei er jedoch sicher, dass sich ein Recyclingkreislauf entwickle, wodurch sowohl die Ausbeutung von Bodenschätzen als auch die Abhängigkeit Europas von „Krisenstaaten“ begrenzt werde.
Thomas Renner sah es in punkto Ladeinfrastrukturausbau als wichtig an, zunächst die Ballungsräume in den Blick zu nehmen. Hier sollten Ladesäulen an den Endpunkten der Wege errichtet werden, die durch die Bürgerinnen und Bürger am häufigsten genutzt würden. Ein vorrangiger Ausbau in Wohngebieten oder an Unternehmensstandorten sei dementsprechend vernünftig.
Um den Energieverbrauch von Fahrzeugen zu senken, so Warth, sei es sinnvoll, langsamer zu fahren, den Luftwiderstand der Fahrzeuge zu verringern und das Gewicht zu reduzieren. Er betonte, dass Stadtautos künftig mit Batterien unter 900 kg schwer sein müssten. Dass das Gewicht der Autos ein größeres Problem sei als Geschwindigkeitsbegrenzungen, bestätigte Andrea Lindlohr. Wichtig sei daher auch ein Umdenken im Konsumverhalten.

Bei allen Herausforderungen war die Einschätzung der Experten für die Zukunft aber positiv. Angesichts der hervorragenden industriellen Basis und den bestens ausgebildeten Fachkräften müsse uns nicht bange sein. Franz Loogen führte aus „ wenn man die Themen nun angehe, kann Mobilität weniger klima- und gesundheitsschädlich sein und ernähren.“ Lindlohr schloss ebenfalls zuversichtlich und meinte, dass „das Land mit dem Strategiedialog zur Begleitung des Transformationsprozesses und verschiedenen Förderprogrammen den Umbruch aktiv angeht. Mit guten Rahmenbedingungen und gemeinsam mit unseren innovativen Unternehmen können wir den Umbruch erfolgreich bewältigen und Mobilität umweltfreundlicher machen“.

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