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Kitas sollen Begegnungsstätten sein

18. Februar 2014

ESSLINGEN:  Fachleute diskutieren über frühkindliche Bildung

Eßlinger Zeitung vom 15. Februar 2014
Von Sabine Försterling

„Betreuungseinrichtungen und Eltern sind Partner bei der frühkindlichen Bildung.“ So lautete das Fazit einer Veranstaltung mit Vertreterinnen der Politik, der Lehre, der Pädagogen und Eltern. Eingeladen dazu hatte unter dem Motto „Esslinger Dialog“ die Landtagsabgeordnete der Grünen, Andrea Lindlohr.

„Vor 15 Jahren hat man kaum über frühkindliche Bildung geredet“, betonte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende eingangs der Veranstaltung im Bürgersaal des Alten Rathauses. Trotz wegbereitender Pädagogen wie Friedrich Fröbel und Johann Heinrich Pestalozzi gibt es laut Dörte Weltzien von der evangelischen Hochschule in Freiburg erst seit zehn Jahren wieder dementsprechende Studiengänge. Denn Lebensbedingungen junger Familien haben sich geändert, die wachsende Mobilität im Berufsleben führt dazu, dass familiäre Strukturen aufgebrochen werden und die Nachfrage nach einer Betreuung von Kindern unter drei Jahren steigt. 640 Millionen Euro habe das Land dafür inzwischen in die Hand genommen, betonte Marion von Wartenberg, Staatssekretärin im Kultusministerium. Dabei müsse der Dreiklang zwischen Erziehung, Bildung und Betreuung stimmen.

Mit dem Ausbau der Kindertagesstätten zeigte sich die Vorsitzende des Esslinger Gesamtelternbeirates, Birgit Schaer, zufrieden. Doch Fachkräfte zu finden sei immer noch schwierig. Die Staatssekretärin setzt in diesem Punkt auf die praxisorientierte Ausbildung neben der bisherigen an der Hochschule. Wiedereinsteiger erhielten einen Bildungsgutschein von der Agentur für Arbeit, der Fachkräftekatalog sei erweitert und ausländische Abschlüsse anerkannt worden. Um die Qualität in den Kindertagesstätten zu gewährleisten, kommt der Leitungsfunktion laut Weltzien eine wichtige Rolle zu.

„Reflexion und reden“ – darauf komme es an, sagte Yvonne Laubert, die seit 2007 die Kindertagesstätte „Spatzennest“ in Esslingen-Brühl leitet. Eltern treibe vor allem die Frage „Was macht mein Kind den ganzen Tag?“ um, fügte Schaer an und wünschte sich mehr Zeit von beiden Seiten. Laubert erwartet wiederum mehr Interesse der Eltern, um „gemeinsam das Leben des Kindes zu gestalten“. Im „Spatzennest“ gebe es nicht nur eine Eingewöhnungszeit für die Sprösslinge, sondern auch für die Eltern. Das schaffe Vertrauen, denn die Betreuungseinrichtung sei keine Konkurrenz, sondern Partner bei der Erziehung.

Dennoch dominiert laut Weltzien das familiäre Muster. Studien belegten, dass der Einfluss der Eltern auf die Entwicklung der Kinder ungleich größer sei als jener der Einrichtung. Daher müsse man ausländische Eltern besonders bei der Sprachentwicklung mit ins Boot nehmen. In Mannheim treffen sich von Wartenberg zufolge im Eingangsbereich einer Kindertagesstätte Eltern und Beschäftigte regelmäßig, um bei einem Kaffee ins Gespräch zu kommen. Die gelernte Erzieherin wünschte sich, dass die Kitas vermehrt zu Begegnungsstätten im Quartier werden, damit sich die Eltern untereinander vernetzen können.

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