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„In der Krankheit sind wir alle gleich”

4. September 2009

Stuttgarter Zeitung, Esslinger Ausgabe, 3. September 2009

Esslingen Bei einer Podiumsdiskussion des Stadtseniorenrates haben sich die Bundestagskandidaten vorgestellt. Von Tanja Liebmann

In einem sind sich die Kandidaten für die Bundestagswahl im Wahlkreis Esslingen einig: Angst vorm Alter, so sagten alle einmütig, haben sie nicht. Dass sie bei anderen Themen durchaus unterschiedlicher Meinung sein können, merkten die knapp 100 Besucher der vom Stadtseniorenrat organisierten Podiumsdiskussion allerdings schnell. (… siehe weiterlesen)

Auch beim Thema Gesundheitsreform traten die zum Teil sehr gegensätzlichen Auffassungen der Bundestagskandidaten zum Vorschein. „Es gibt nur wenige Länder auf der Welt, die ein so gutes Gesundheitssystem wie wir in Deutschland haben”, sagte etwa Grübel und warnte „vor allzu großen Reparaturen an diesem System”.

Für Andrea Lindlohr ist der Reparaturbedarf hingegen groß und klar zu sehen: Der Gesundheitsfonds, so ihre Auffassung, sei ein umständlicher und aufwendiger Weg, die Einnahmen anders zu verteilen. Für die Zukunft halte sie es für dringend erforderlich, mit der Trennung zwischen gesetzlich und privat Versicherten aufzuhören. „In der Krankheit sind wir alle gleich”, so die Grünen-Politikerin, die sich für eine Bürgerversicherung aussprach, „um alle in den gleichen Status zu versetzen”.

Diesen gleichen Status forderte auch Karin Roth, die sich entsetzt über die Forderung von Rena Farquhar zeigte. Die FDP-Politikerin hatte sich dafür ausgesprochen, vom gesetzlichen Einheitssystem wegzugehen und stattdessen durch mehr Privatisierung den Wettbewerb zwischen den Kassen anzukurbeln. Die SPD-Bundestagsabgeordnete sagte, diese Forderung sei gefährlich, da gute medizinische Versorgung so nur diejenigen bekommen würden, die sich diese leisten könnten.

Auf die Frage des Moderators Kai Holoch, dem Leiter der Esslinger Außenredaktion der Stuttgarter Zeitung, nach ihren Ideen, wie der Altersarmut am besten begegnet werden könnte, forderte beispielsweise Dorothea Jauernig (MLPD), für alle Unternehmen eine Sozialsteuer einzuführen und das Rentenalter herabzusetzen. Rena Farquhar (FDP) sprach sich hingegen für einen präventiven Ansatz aus: Junge Menschen, so ihre Meinung, sollten in Zukunft dazu verpflichtet werden, etwas für ihre Altersvorsorge zu tun.

Zum Thema Altersarmut sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete Karin Roth auf dem Podium, sie halte es für wichtig, dass auch Selbstständige dazu verpflichtet werden, in die Rentenkasse einzuzahlen. Zentral für die Jugend sei es darüber hinaus, einen Mindestlohn durchzusetzen.

Dieser Ansicht schloss sich Andrea Lindlohr von den Grünen an. „Wir brauchen einen Mindestlohn”, sagte die 34-Jährige, die davon überzeugt ist, dass die Politik am Rentensystem etwas ändern muss und dass die Rente mit 67 Jahren richtig ist. Zudem sprach sie sich vor den Zuhörern in der Esslinger Alten Aula für eine Mindestrente als Grundsicherung im Alter aus, „die für alle gilt und die vor Armut schützt”.

Trotz der Kritik an der Rentenpolitik seiner Partei, zeigte sich der Esslinger CDU-Bundestagsabgeordnete Markus Grübel zufrieden: Die Deutsche Rentenversicherung habe in den vergangenen vier Jahren wieder einige Rücklagen bilden können. Die Kombination aus erstens umlagenfinanzierter gesetzlicher Rente, aus zweitens kapitalgedeckter Eigenrente, sprich: Riester-Rente, und drittens der betrieblichen Altersvorsorge – sie sei gut und bedeute für einen heute 30-jährigen Menschen, dass er auch im Alter einen guten Lebensstandard haben könne.

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1 Kommentar zu "„In der Krankheit sind wir alle gleich”"
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    Agile Alte | Andrea Lindlohr | 9. September 2009
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