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Immer weniger Chancen für Langzeitarbeitslose

6. August 2011

Eßlinger Zeitung 25. Juli 2011

Von Karin Ait Atmane

15 Jahre EBI (Esslinger-Beschäftigungs-Initiative) sind Grund zum Feiern, denn die Initiative hat in dieser Zeit Tausenden von Menschen Arbeit gegeben oder sie in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt. Dennoch ist ihre Zukunft wie die anderer Sozialunternehmen unsicher. Deshalb ging es beim kleinen Jubiläum in der Altbacher Werkstatt immer wieder darum, dass Arbeitsmöglichkeiten für Langzeitarbeitslose gebraucht werden.

Schon seit den Hartz-IV-Reformen steht die schnelle Vermittlung im ersten Arbeitsmarkt im Vordergrund gegenüber Maßnahmen für Langzeitarbeitslose. Dieser Trend setzt sich mit Kürzungen und der geplanten Arbeitsmarkt-Instrumentenreform fort. Man brauche aber unbedingt geeignete Arbeitsplätze für Menschen, die langzeitarbeitslos, krank oder behindert und damit auf dem ersten Arbeitsmarkt chancenlos sind, sagte EBI-Geschäftsführer Hans-Ulrich Rabeneick. Er hofft, dass die Politiker in ihrem Wahlkreis erkennen, wie dringend dieser Bedarf ist. Drei Politiker aus dem Kreis Esslingen sprachen Grußworte. Es habe, gleich unter welcher Regierung, immer wieder Reformen gegeben „und jedes Mal müssen sich die Träger der Leistungen neu darauf einstellen“, sagte Markus Grübel (CDU) und ergänzte in Bezug auf die geplante Gesetzesänderung im September: „Ich bin offen für konstruktive Kritik.“ Im Kreis Esslingen gebe es offiziell rund 6500 Langzeitarbeitslose, sagte Karin Roth (SPD): „Man muss wissen, dass nicht alles auf dem ersten Arbeitsmarkt möglich ist.“ Andrea Lindlohr (Grüne) kündigte ein Landesarbeitsmarktprogramm an: „Ideen dafür werden gerade gesammelt.“

Die EBI-Beschäftigten hörten den Politikerworten ungerührt zu, sie kennen allerdings auch die Realität. Waren 2006 noch mehr als 600 Personen über Maßnahmen des Arbeitsamtes bei der EBI beschäftigt, werden es im aktuellen Jahr mangels Fördermöglichkeiten wohl keine 250. Da konnte man bei Fred Coschurbas Bericht über die Anfänge der EBI schon nostalgisch werden. Er schilderte, wie im Verein Jugendhilfe der Bereich der Berufshilfe wuchs und wuchs, bis er schließlich ausgelagert und auf ältere Arbeitnehmer ausgeweitet wurde. Möglich war diese Dynamik dank der Gelder aus dem Europäischen Sozialfonds, aber auch, weil Unternehmen wie Kaatsch oder Festo mit Arbeitsaufträgen und mit Ideen auf das Sozialunternehmen zukamen. Die EBI sei „für viele Arbeitnehmer das Sprungbrett in den ersten Arbeitsmarkt“, bestätigte Christine Fischer vom Jobcenter.

Eine wichtige Rolle beim Start und bis heute spielte das Elektro-Recycling. Allerdings müssen neuerdings regelmäßig Container mit Elektroschrott geschreddert werden, weil die EBI nicht mehr genug Arbeitsplätze anbieten kann. Zu schade, fanden die Besucher, die beim Rundgang einen Blick in die Elektrowerkstatt und in andere Bereiche der Altbacher Werkstatt werfen konnten.

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