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Früher Auftakt und ein heißes Eisen

9. November 2010

Esslinger Zeitung 12. Oktober 2010

ESSLINGEN: An Stuttgart 21 scheiden sich auch im Wahlkreis Esslingen die Geister – Deuschle bleibt optimistisch – Drexler unter Druck

Noch nie ist es den Grünen im Wahlkreis Esslingen gelungen, im Landtag ein Mandat zu gewinnen. Das könnte sich am 27. März ändern. Weil der Streit über Stuttgart 21 dazu führt, dass ihre Partei mächtig Oberwasser hat, darf auch Andrea Lindlohr vom Einzug in das Parlament träumen. Wie Wolfgang Drexler (SPD) kann sie auf ein Zweitmandat hoffen. Als Favorit für das Direktmandat gilt Andreas Deuschle (CDU).

Von Hermann Dorn

Mehr als fünf Monate vor dem Urnengang ist der Wahlkampf in vollem Gang. Für die Tatsache, dass er im Wahlkreis Esslingen besonders früh und intensiv geführt wird, gibt es nachvollziehbare Gründe. Mit Wolfgang Drexler tritt ein Kandidat an, der sich kürzlich noch als Sprecher von Stuttgart 21 den Unmut aller Gegner zugezogen hat. Sein Rückzug von dem Amt ändert nichts daran, dass sein Name mit dem Projekt eng verbunden bleibt.

Grüne und Linke führen in lokalen Bündnissen den Protest gegen Stuttgart 21 an. Dass der Widerstand bei diesem heißen Eisen über Parteigrenzen hinausreicht, zeigen die Gastredner. Mit Liesel Hartenstein und Peter Conradi haben zuletzt namhafte Sozialdemokraten den Stuttgart 21-Gegnern den Rücken gestärkt. Andrea Lindlohr behauptet zwar, dass es sich nicht direkt um Wahlkampf gegen Drexler handelt. Freuen kann sich dieser über solche Auftritte trotzdem nicht.

Die Fronten im Streit über das möglicherweise wahlentscheidende Thema sind auch im Wahlkreis Esslingen (Esslingen, Aichwald, Denkendorf, Neuhausen, Ostfildern und Wolfschlugen) klar. Auf der einen Seite lassen Andreas Deuschle (CDU) und Rena Farquhar (FDP) keinen Zweifel daran, dass sie zu dem Projekt stehen. Deuschle wirft den Grünen vor, immer dagegen zu sein, wenn es konkret wird. „Mit Bestürzung sehe ich außerdem, dass hier die repräsentative Demokratie in Frage gestellt wird.“ Auf der anderen Seite wollen Andrea Lindlohr (Grüne) und Tobias Hardt, der Kandidat der Linken, Stuttgart 21 unbedingt noch stoppen.

Die Rechnung der CDU und SPD

Drexler zählt weiter zu den Befürwortern des Vorhabens. So wie seine Partei sieht er aber auch das Problem, „dass völlig offen ist, wie die Situation befriedet werden kann“. Während der 64-Jährige hoffen mag, mit seiner Bekanntheit und seinem Einsatz für das Projekt auch CDU-Anhänger zu gewinnen, wirbt Deuschle für eine andere Sichtweise. „Die SPD führt einen Eiertanz auf. Wer für Stuttgart 21 ist, weiß nur bei uns, woran er ist.“

Trotz schlechter Umfragewerte kann Drexler weiter mit einem Einzug in den Landtag rechnen. Das neue Wahlrecht, das sich am prozentualen Stimmenanteil orientiert, erhöht seine Chancen in dem kleinen Wahlkreis. Wenn es ihm wie in der Vergangenheit gelingen sollte, im Regierungsbezirk Stuttgart eines der besten Ergebnisse aller SPD-Bewerber zu erzielen, könnte es mit dem Zweitmandat wieder klappen. Der direkte Vergleich mit den Bewerbern der eigenen Partei wird auch für Andrea Lindlohr, Rena Farquhar und Tobias Hardt zur entscheidenden Hürde. Für die Kandidatin der Grünen stehen die Vorzeichen günstig. Selbst wenn das Ergebnis hinter den Prognosen zurückbleiben sollte, deutet alles auf einen Einzug in den Landtag hin.

Auf Stuttgart 21 allein will kein Kandidat den eigenen Wahlkampf verkürzen. Andreas Deuschle, der mit seinen 32 Jahren seine Parteifreundin Christa Vossschultet nach deren Rückzug beerben will, setzt eigene Schwerpunkte. Jugend und Alkohol, Schuldenbremse, Bewahrung der Schöpfung, Gewalt gegen Polizei – das sind Themen, mit denen er in diesen Tagen überzeugt ist, die Wähler zu erreichen. Auch Drexler glaubt zu wissen, dass Fragen wie Bildung, Atompolitik und Gesundheit vielen Menschen wichtiger sind als Stuttgart 21. Auf Stuttgart 21 allein will sich nicht einmal Andrea Lindlohr verlassen. Großes Gewicht misst sie Energie-, Wirtschafts- und Demokratiefragen bei. Bei allen inhaltlichen Differenzen mit der SPD behält sie ebenso wie Drexler ohnehin das Hauptziel im Auge. „Wir wollen gemeinsam die schwarz-gelbe Regierung ablösen.“

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