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Faire Fummel

14. März 2011

Eßlinger Zeitung 12.3.2011

ESSLINGEN: Weltladen und Frauenrat organisieren Modenschau mit ethisch korrekt produzierten Textilien – Löhne über dem Mindestlohn

Der Saal im evangelischen Gemeindehaus am Blarerplatz war am Donnerstagabend gut besetzt. Der Esslinger Frauenrat und der Weltladen Esslingen hatten zum Thema „Fair produzierte Textilien“ eingeladen. Bei der Veranstaltung im Rahmen der Frauenwochen unter dem Motto „Wir wollen euch an die Wäsche“ stellte Modedesignerin Johanna Riplinger aktuelle Mode vor, die unter fairen Bedingungen entstanden ist.

Von Barbara Scherer

Ein Kurzfilm gab zunächst Einblicke in die Arbeitsbedingungen in den Weltmarktfabriken der Textilindustrie in Ostasien. Die Dokumentation zeigte, wie Frauen zum Teil 18 Stunden am Tag für zehn Euro im Monat ohne Absicherung und Gesundheitsschutz schuften. Er zeigte aber auch Frauen in Bangladesh, die aktiv werden und den staatlichen Mindestlohn von 20 Euro erzwingen.„Meist sind die Frauen die Opfer in dieser Industrie“, sagte die Grünen-Landtagskandidatin Andrea Lindlohr, die den Abend moderierte. „Der Film zeigt aber auch Frauen als Akteurinnen.“ Die Nachfrage nach „sauberen Kleidern“ steige zwar, der Anteil solcher Produkte betrage aber weniger als ein Prozent, so Lindlohr weiter.

Firmen wie das Pariser Unternehmen Ethos haben sich dem fairen Geschäft verschrieben. Johanna Riplinger arbeitet dort seit 2006 als Modedesignerin. Die Tochter eines Tübinger Theologen erklärte, wie Ethos funktioniert: In Indien, Bolivien und auf Madagaskar arbeiten Rohstoffproduzenten, Färber und Näher für das Unternehmen. Die Arbeiterinnen und Arbeiter werden so entlohnt, dass sie gut davon leben können. „Unsere Löhne liegen bis zu 130 Euro über den staatlichen Mindestlöhnen“, sagte Riplinger. Ethos reiße die Produktionsabläufe nicht auseinander: „Dort, wo die ökologisch angebaute Baumwolle wächst, wird auch gefärbt und genäht.“ Ein Vorfinanzierungssystem, das vom Händler über Ethos bis zum Produzenten in Übersee laufe, verteile das Risiko auf mehrere Schultern. Riplinger ist dafür verantwortlich, dass die Kleider „nicht nur politisch korrekt, sondern auch modisch aktuell sind“. Nachdem 2008 die erste Kollektion auf den Markt gekommen war, erscheinen mittlerweile zwei Kollektionen im Jahr. Die Teile werden weltweit in rund 180 Läden verkauft, in Esslingen im Weltladen.

Verspielte Blumendessin

Aktuelle, in einem indischen Projekt gefertigte Kollektionsteile wurden am Donnerstagabend gezeigt und fanden den Beifall des Publikums. Röcke, Hosen, Kleider, Shirts, Schals und Jacken bestehen aus Baumwolle und Leinen. In Beige, Oliv, Weiß, Blau, und leuchtende Rottöne gefärbt, können sie miteinander kombiniert werden. Auffällig ist das verspielte Blumendessin. Auch für Männer gibt es ein paar Teile. „Die Kollektion ist so angelegt, dass sie junge und ältere Menschen anspricht und zu moderaten Preisen zu haben ist“, erklärte Riplinger.

Die junge Designerin fühlt sich zuweilen etwas eingeengt, weil sie sich bei der Wahl der Materialien auf Leinen und Baumwolle beschränken muss, denn Viskose oder Kunstfasern werden bei Ethos nicht verarbeitet. Das stimuliere jedoch die Kreativität, verriet die junge Designerin, die für die Zukunft eine eigene Kollektion aus Seide plant.

1 Kommentar zu "Faire Fummel"
  1. Kleine Korrektur: Die VeranstalterInnen waren ‚Frauen bei den Grünen‘ und der Weltladen Esslingen, nicht der Frauenrat.

    Andrea Lindlohr | 14. März 2011
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