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„Es bleibt eine steile Aufgabe“

3. Juni 2013

Eßlinger Zeitung vom 3. Juni 2013

ES-METTINGEN: Landwirtschaftsminister Alexander Bonde besucht die Esslinger Weingärtner

Von Elke Eberle

Viel Zeit hatte der baden-württembergische Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Alexander Bonde (Grüne), bei seinem Besuch in Esslingen nicht im Gepäck und auch nicht viele Neuigkeiten. Dafür aber viel Lob für die Weingärtner. Bonde: „Sie haben nicht nur ein Händchen für guten Wein, Sie arbeiten auch mit Engagement und Ehrgeiz an neuen Projekten.“

Am späten Samstagnachmittag besuchte Bonde auf Initiative der Grünen-Landtagsabgeordneten Andrea Lindlohr den Weinberg in Steillage auf der Neckarhalde, für den er im vergangenen Jahr die Patenschaft übernommen hat. Er informierte sich über aktuelle Arbeiten im Weinberg und hörte sich in der Mettinger Kelter die Sorgen der Weinbauern an. Zunächst wirkte alles wie immer, doch auf der Fahrt durch die Weinberge in Richtung Neckarhalde wurde ein Problem schnell offensichtlich: Durch den extremen Regen sind noch weitere Trockenmauern eingestürzt. Viele Besitzer können und wollen die Mauern nicht mehr aufbauen, denn es kostet rund 500 Euro, einen Quadratmeter Mauer von einer Fachfirma erstellen zu lassen. Bonde: „Es ist nicht vorzustellen, was es für die Stadt bedeutet, wenn es nicht gelingt, den Steillagenweinbau zu erhalten.“ Ab dem 11. Jahrhundert haben Klöster die Terrassen aus Stubensandstein errichten lassen. „Ein Stein wurde einen Tag lang behauen“, erzählte Claus Hägele, der neben Otto Rapp Vorsitzender des neu gegründeten Staffelsteiger-Vereins ist. „Es ist ein großartiges Werk der Historie“, so Hägele.

Steillage kostet mehr Zeit und Geld
Für die Weingärtner bedeutet Weinbau in Steillage mehr Arbeit, die sich gerade noch rechnet. Es rechne sich aber nicht mehr, wenn auch noch der Bau von Mauern dazukomme, betonte Hermann Hohl, Präsident des Weinbauernverbands Württemberg. Steillagen bieten aber auch Vorteile. Andreas Rapp weiß diese geschickt zu nutzen, denn er baut auch im acht Ar großen Patenweinberg des Ministers Merlot an: „Wir setzen auf eine hohe Qualität.“ Bonde betonte, dass der Erhalt der Terrassen nur mithilfe vieler Ideen und Initiativen geleistet werden könne: „Allein mit staatlicher Förderung wird es nicht gelingen. Es bleibt eine steile Aufgabe.“ Er regte an, auch das Ökopunktekonto für Ausgleichsmaßnahmen zu nutzen.

Die Verantwortlichen des Vereins sind im Gespräch mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes und der Stadt Esslingen. Und auch die Bevölkerung, die Industrie und Banken sollen sensibilisiert und einbezogen werden. Unter anderem möchte der Verein etappenweise einen Weinbergerlebnispfad aufbauen. Geplant sind neben Rätselklappen für Kinder 40 bis 50 Tafeln mit Informationen zum Weinbau, zur Geschichte, zu Flora und Fauna und natürlich zum Trockenmauerbau. In Kooperation mit dem Esslinger Stadtmarketing sollen Führungen angeboten werden. Außerdem möchten die Weingärtner Picknickkörbe verleihen, die mit regionalen Spezialitäten gefüllt sind. Natürlich ist jeder willkommen, der dem Verein mit Rat und Tat zur Seite stehen will. Rapp: „Wir sind jetzt schon viele und voller Ideen.“

Keine Neuigkeiten hatte Bonde bezüglich der EU-Förderrichtlinien: „In der Frage der Förderkulisse wissen wir nicht mehr als vor einem Jahr. Wir wissen nicht, wie viel Geld Bund und Land zur Verfügung haben und welches Regelwerk gilt.“ Er hoffe aber auf eine baldige Entscheidung in Brüssel. Die Weingärtner betonten, dass es wichtig sei, die Antragstellung zu vereinfachen, damit sich auch für kleine Betriebe ein Antrag rechne. Nach einer guten Stunde musste der Minister weiter zum nächsten Termin nach Ulm. Der Vorstandsvorsitzende der Weingärtner Esslingen, Albrecht Sohn, bedankte sich: „Es ist eine große Ehre und Hilfe, dass Sie uns innerhalb eines Jahres zwei Mal besucht haben.“

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