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“Brauchen einen neuen Gesellschaftsvertrag”

29. Juli 2009

Esslinger Zeitung 28. Juli 2009

Kreis Esslingen: Bundestagskandidaten der Grünen wollen der Wirtschaft einen ökologischen Rahmen geben. Von Harald Flößer

Für einen ökologisch ausgerichteten Gesellschaftsvertrag werden die Grünen bei der Bundestagswahl im Landkreis Esslingen eintreten. Es gehe um ein nachhaltiges Fundament für die Wirtschaft, mehr Jobs im Bereich der erneuerbaren Energien und höhere Investitionen für Bildung und Betreuung, erklärten die beiden Kandidaten der Grünen, Andrea Lindlohr (Wahlkreis Esslingen) und Andreas Schwarz (Wahlkreis Nürtingen), gestern im Umweltzentrum in Plochingen.

Lindlohr und Schwarz stehen für einen Generationenwechsel bei Bündnis 90/Die Grünen im Landkreis. (… siehe unten). Die beiden Bewerber wollen gezielt auch junge Wähler ansprechen. „Aus der Krise hilft nur Grün“ – dieser bundesweiten Slogan passt nach Ansicht von Andrea Lindlohr sehr gut zum Landkreis Esslingen, der wie kaum ein anderer von der Wirtschaftskrise betroffen ist. „Wir wollen den Landkreis zu einem grünen Industriestandort machen“, sagte sie. Konkret gehe es um eine deutliche Verringerung des CO2-Ausstoßes für Pkw, mehr Tempolimits, die dazu beitragen, dass die Autos wieder kleiner werden, und eine gezielte Entwicklung der Batterietechnologie und Elektromobilität. Die Autoindustrie müsse Fahrzeuge herstellen, die für eine klimagerechtere Mobilität sorgen. Die Anforderungen seien: klein, leicht, effizient. Nachhaltiges Wirtschaften braucht laut Lindlohr eine Energiewende. Bisher seien im Bereich erneuerbare Energien bundesweit 280 000 Arbeitsplätze entstanden. Unter anderem durch den Atomausstieg müsse die Politik dafür sorgen, dass auch in der Region noch viel mehr solcher Jobs entstehen.

Mit „Grün denken, Schwarz wählen“ wirbt Andreas Schwarz. Der Kirchheimer möchte seine in zehn Jahren gesammelte Kompetenz aus der Kommunalpolitik in den Bundestag einbringen. Drei Themen sind ihm wichtig. „Wir brauchen einen neuen Grünen Gesellschaftsvertrag“, sagte er. Auch in 50 Jahren hätten die Menschen ein Recht auf eine lebenswerte Umwelt. Schwarz fordert ferner ein „klares Bekenntnis, dass wir mehr in Bildung und Betreuung investieren müssen“. Drittens geht es dem Wirtschaftsjuristen darum, die Schulden der öffentlichen Haushalte abzubauen. „Wir dürfen der jungen Generation keine zu großen Lasten aufbürden“.

Nach seiner Überzeugung trägt der Staat Verantwortung für eine ökologische Mobilität. Deshalb fordert der Grünen-Politiker, dass der Bund die Regionalisierungsmittel für den Ausbau des ÖPNV wieder erhöht.

Die Kandidaten der Grünen

Andrea Lindlohr (34) tritt für die Grünen im Wahlkreis Esslingen an. Die gebürtige Rheinländerin ist verheiratet und hat in Tübingen und Leicester politische Wirtschaftslehre und vergleichende Wohlfahrtsstaatsforschung studiert. Seit 2002 ist Lindlohr parlamentarische Beraterin der Grünen-Landtagsfraktion. Seit 2003 gehört sie dem Landesvorstand der Partei an. 2006 hatte sie im Stuttgarter Norden für die Landtagswahl kandidiert.

Andreas Schwarz hat in Nürtingen sein Diplom als Wirtschaftsjurist gemacht. Der 29-Jährige ist seit zehn Jahren kommunalpolitisch engagiert. Erst vor kurzem wurde er zum Fraktionssprecher der Grünen im Kreistag gewählt. Dem Kirchheimer Gemeinderat gehört er seit 1999 an. Schwarz ist seit 2007 Referent für Wirtschaft und Infrastruktur beim Regionalverband. Bei der Bundestagswahl bewirbt er sich für den Wahlkreis Nürtingen.

Auslassung aus dem zweiten Absatz:

Uschi Eid zieht sich nach 22 Jahren im Bundestag zurück. Weil sie auf einem für sie inakzeptablen Listenplatz gelandet war, lehnte sie eine erneute Kandidatur ab. Auf diese Weise wurde der Weg frei für einen Neuanfang. Der soll nun mit der 34-jährigen Politikwissenschaftlerin und dem 29 Jahre alten Wirtschaftsjuristen beschritten werden. Die beiden seien alles andere als Zählkandidaten, betonte Grünen-Vorstandsmitglied Stefan Faiß. Bei der Kommunalwahl sei es gelungen, sogar die SPD in etlichen Kommunen zu überholen. Diesen Rückenwind wolle man bei der Bundestagswahl am 27. September ausnutzen.

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