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Auch in Zukunft mobil

1. Februar 2016

Aus der Eßlinger Zeitung vom 1. Februar 2016 von Peter Dietrich

ESSLINGEN: Diskussion mit Verkehrsminister Hermann

Für Verkehrsminister Winfried Hermann geht es in der Verkehrspolitik um ein Großprojekt: „Wie vernünftig ist der Mensch?“ Er selbst will Vorbild sein, hat beim Stuttgarter Feinstaubalarm alle Ministertermine ohne Auto geschafft. Jetzt hat er im Alten Rathaus in Esslingen sein Konzept für die Mobilität von morgen vorgestellt.

„Wir brauchen die blaue Plakette“, sagt Hermann deshalb. Für die Einfahrt nach Stuttgart Euro6 zu verlangen, sei fairer, als einfach jedes zweite Fahrzeug zu verbieten wie andernorts. Derzeit bieten in Deutschland Autos „200 Millionen mobile Sitze für 80 Millionen Einwohner“. Diese Überkapazität verbrauche „Ressourcen, die wir anderswo bräuchten“. Ohne Verkehrswende sei die Energiewende nicht zu schaffen. Jeder einzelne Verkehrsträger werde gebraucht, müsse ökologisch besser und mit anderen vernetzt werden. Sitze ein Mensch im Auto, würden im Schnitt für 85 Kilogramm Nutzlast 1,5 bis 2,5 Tonnen Masse bewegt. Im „FuturCar“-Projekt gehe es um ein Auto mit nur noch einem Zehntel des Gewichts.

Der deutschen Autoindustrie riet Hermann, „Autos zu produzieren, die auch noch in zehn oder 20 Jahren verkäuflich sind“. Wer nicht langfristig denke, folge der Textil- oder Uhrenindustrie. Das Elektroauto sei gut durch eine Sonderabschreibung im ersten Jahr zu fördern. Ein Gewinn sei das Elektroauto aber nur, wenn es mit Ökostrom fahre.

Hermann stellte sich den rund 50 Zuhörern gemeinsam mit der grünen Landtagsabgeordneten Andrea Lindlohr. Als er einst für den Bundestag kandidierte, war sie seine Wahlkampfmanagerin. Sie habe sich vom „unsicheren Mädchen“ zur „Stütze der Landtagsfraktion“ entwickelt, lobte Hermann.

„Die beste Konsequenz aus Stuttgart 21 war“, so Hermann weiter, „dass wir es im Rheintal anders machen müssen.“ Unter Bürgerbeteiligung wurde der Ausbau der Bahntrasse, der Hauptachse in Richtung Schweiz, neu geplant. „Jetzt hat der Bundestag der Umplanung zugestimmt.“

Hermann ließ, obwohl anderes behauptet wird, auch noch Straßen bauen, etwa die Umgehung von Bad Mergentheim. „Das war ein Versprechen von Ministerpräsident Filbinger.“ Aber wichtiger als Neubauten sei der weitere Abbau des Sanierungsstaus für Schiene, Straße und Wasser.„Schluss mit Neubaugebieten, die nicht verkehrlich erschlossen sind“, forderte Hermann. Ein Problem beim Verkehr seien die verschiedenen Zuständigkeiten: Warum solle Plochingen einen Parkplatz bauen, damit die Leute dort in den Zug steigen und Stuttgart – wie dringend nötig – von Autos entlasten? Um Güterverkehr auf die Schiene zu bringen, seien Verladeterminals im Plochinger Hafen, in Reutlingen oder Eutingen nötig. „In Eutingen war alles klar, dann kam ein Bürgerentscheid dagegen.“ Außerdem: „Plochingen – Esslingen – Stuttgart wäre ideal für einen Radschnellweg.“

„Wir stehen noch am Anfang“

Zuhörer regten an, die steuerliche Absetzbarkeit von Geländewagen zu streichen und Feinstaub auch an der Schorndorfer Straße in Oberesslingen zu messen. Ein Zuhörer wollte wissen, was bei einem eventuellen Regierungswechsel rückgängig gemacht werden könnte. Bei der Bahn, so Hermann, wolle die CDU wohl kaum wieder mehr bezahlen. Aber sie könne Projekte wie die Förderung des Radverkehrs ausbremsen. „Das wäre schade für dieses Land. Wir sind in vielem erst am Anfang.“

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