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Atomstrom elektrisiert die Schüler

26. Juli 2009

Stuttgarter Zeitung, Ausgabe  Esslingen, 8. Juli 2009, Seite 22 (Auszug)

Esslingen Der Kampf um das Direktmandat für den Bundestag hat begonnen – traditionell in der Friedrich-Ebert-Schule. Von Kai Holoch

Am 27. September wird der neue Bundestag gewählt. Der Tradition folgend hat sich Peter Schmid, der Gemeinschaftskundelehrer an der Friedrich-Ebert-Berufsschule, die erste Diskussion der Kandidaten der großen Parteien im Wahlkreis Esslingen gesichert. Im Gespräch mit rund 120 Schülern im Alter zwischen 18 und 20 Jahren können sich dabei die politischen Routiniers wie der vor vier Jahren direkt gewählte Markus Grübel (CDU) und die über die Landesliste ins Parlament eingezogene Karin Roth (SPD) schon darauf einstellen, mit welchen Themen sie in den verbleibenden gut zweieinhalb Monaten konfrontiert werden. Für die anderen, Andrea Lindlohr von den Grünen und Rena Farquhar von der FDP, ist der Wahlkampfauftakt eine gute Gelegenheit, einmal zu überprüfen, wie die eigenen Argumente beim potenziellen Wahlvolk ankommen. (…)

Es überrascht ein wenig, dass es nicht die Finanzkrise und der Umgang der Politik damit ist, die im Mittelpunkt der Diskussion steht – auch wenn ein Schüler von Markus Grübel wissen will, ob es denn politisch seriös ist, wenn die CDU Steuersenkungen in diesen Zeiten verspreche. Grübel verweist darauf, dass sich seine Partei beim Zeitpunkt nicht festgelegt habe. Die Steuersenkung werde es erst geben, wenn sich das Ende der Krise abzeichne. Dann wolle die CDU den „Progressionsbauch begradigen“, und „die Leistungsträger mobilisieren, den Aufschwung mitzugestalten“. Das hält Andrea Lindlohr für eine Worthülse: „Sie können mir glauben, es wird keine Steuersenkung geben. Sie können sich nun überlegen, ob Sie die wählen, die ihnen das schon vor der Wahl sagen oder diejenigen, die es danach tun werden.“
Im Mittelpunkt steht aber die Energiepolitik – und dabei ein altes Thema, nämlich die Frage, ob und wann in Deutschland die Atomkraftwerke abgeschaltet werden sollen. Dabei sehen viele Schüler den Beschluss zum Ausstieg eher kritisch. Karin Roth verteidigt die einst von der SPD und den Grünen beschlossene Lösung eines „geordneten Ausstiegs“. Weiter auf eine Technologie zu setzen, von der man immer noch nicht wisse, wo man den dabei entstehenden Abfall endlagern soll, sei unverantwortlich. Vielmehr gelte es, sich verstärkt im Bereich Energieeffizienz zu engagieren. Gerade bei der energietechnischen Sanierung von Altbauten lasse sich bis zu 40 Prozent der bisher benötigten Energie sparen.

Es überrascht nicht, dass Markus Grübel den Atomausstieg etwas anders beurteilt. Er malt ein düsteres Bild von der drohenden Stromabhängigkeit Deutschlands von Russland oder islamischen Ländern. Gebe es keinen „breiten Energiemix“ werde sich das auch auf die Strompreise niederschlagen. Es sei aberwitzig, vergleichsweise sichere Atomkraftwerke in Deutschland abzuschalten und dafür Atomstrom aus unsichereren Meilern im Ausland einkaufen zu müssen.

Rena Farquhar (FDP) stellt zwar fest, dass die Zukunft nicht in Atommeilern liegen könne. Aber noch sei Deutschland nicht in der Lage, die benötigte Strommengen auf anderem Weg zu erzeugen. Farquhar: „Ich setzte auf einen gesunden Energiemix made in Baden- Württemberg.“ Das kann Andrea Lindlohr so nicht stehen lassen: „Atomkraft ist nicht
gesund. Und zu sagen: ,Was in 10 000 Jahren passiert, ist mir egal‘, das ist nicht meine Art, Politik zu machen.“

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